„Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy

Besteck „Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy

Das Besteck „Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy setzt sich mit dem auseinander, was normal ist und was nicht.

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Fourcroy hat lange mit einer Person zusammengearbeitet, die zuerst als manisch-depressiv diagnostiziert war und der dann eine schizoaffektive Störung diagnostiziert wurde.

Zusätzlich zu Symptomen einer affektiven Störung wie Depression oder Manie treten hier Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis wie Wahn oder Halluzinationen auf. [Wikipedia]

Fourcroy fand, dass der Fokus bei der Behandlung zu sehr auf dem „abnormalen“ Verhalten der Patientin lag, anstatt auf dem Schmerz, den sie empfand und wo die Ursachen lagen. Es ging nur darum, ihr Verhalten zu „normalisieren“
Das war der Ausgangspunkt zu überlegen, was wir als normal definieren.

Die Esswerkzeuge haben einen langen Holzgriff und schwere Metallenden und liegen somit unausgewogen in der Hand. Es gibt u. a. eine Gabel, mit der man nur ein Reiskorn aufnehmen kann, einen Löffel mit einem Loch, eine Löffel, der zu groß für den Mund ist und ein Messer, mit dem man nicht vernünftig schneiden kann. Zudem sind die Köpfe magnetisch, so dass sie tatsächlich nahezu unbrauchbar sind.

 

„Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy

Mit dem Besteck, dass den Benutzer zwingt, sein „normales“, vertrautes Essverhalten zu ändern, ihn in einen Zustand des Unbehagens zu versetzen, um ihm sein automatisiertes Verhalten bewusst zu machen, wird er aus den Fallen moderner Bequemlichkeit und Matrialismus herausgezogen, in einen Zustand der Unproduktivität.

„They are designed for people who think of themselves as ’normal‘, for people who haven’t thought about what it might feel like to be cut off, to be put aside from society and be considered abnormal,“ the designer told Dezeen.

Fourcroy beruft sich auf Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie von Gilles Deleuze and Félix Guattari.

„Deleuze und Guattari begreifen den Ödipus-Komplex als ein kulturspezifisches, nämlich abendländisch-bürgerliches Phänomen. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die Wunschproduktion »normaler« und »schizophrener« Menschen in der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft, wobei insbesondere die Analyse des »Schizo« die Mechanismen der Gesellschaft erhellt, die ihn ausstößt“ [amazon]

 

Es ist anregend, weiter darüber nachzudenken, wie Gegenstände, die von Designern gestaltet wurden, unser Verhalten und Benehmen beeinflussen. Oder ist es andersherum? Kann Design ein „gutes“, „normales“ Verhalten fördern und beeinflussen? Inwieweit kann Design ein gesellschaftliches und politisches Verhalten beeinflussen?

Quellen:
http://www.dezeen.com/2015/07/25/firdaws-fourcroy-homemade-schizophrenia-cutlery-increase-empathy-central-saint-martins-graduate-shows-2015/

http://firdawsfourcroy.com/homemadeschizophrenia.html

https://larlet.fr/static/david/stream/Anti_Oedipus_CAPITALISM_AND_SCHIZOPHRENIA.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Schizoanalyse

 

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