Eatingdesignerin Marije Vogelzang

Ich weiss nicht mehr, wie und wo ich auf Marije Vogelzang aufmerksam wurde, aber ich war vom ersten Moment an von Ihrer Arbeit fasziniert.

Marije Vogelzang ist Produkt-Designerin und hat sich für „Food“ als ihr Arbeitsmaterial entschieden. Sie bezeichnet sich selber als Eating Designerin und nicht als Food-Designerin, denn Lebensmittel seien schon von der Natur gut designt.

Sie interessiert sich für den Prozess des Essens, die Zubereitung, Geschichte und Kultur, dass essen etwas mit uns macht, nicht nur, dass das Material sich im Körper verändert und auch wieder ausgeschieden wird, sondern essen macht auch was mit unseren Gefühlen, Stimmungen, Erinnerungen.
So hat sie z. B. ein weißes Bestattungsessen kreiert, hat sich mit dem Essen während des 2. Weltkriegs auseinandergesetzt, den Zusammenhang zwischen essen und Rhythmus erforscht, oder eine nationale Leitungswasser Verköstigung organisiert, etc.

Als ich davon erfuhr, dass Sie neben Ihren Design-Projekten, Vorträgen, Ausstellungen und Catering ein Restaurant eröffnen würde, fuhr ich spontan am Eröffnungswochenende nach Amsterdam.

Das Restaurant befindet sich auf einem ehemaligen Industriegelände, was nun eine Art Kulturpark zu sein scheint. Das Restaurant selber – Vogelzangs ehemaliges Atelier – ist schlicht, und wie es so die holländische Art ist, ein bisschen krutschelig, unprätentiös, überhaupt nicht gestylt und lekker gemütlich. Das internationale Team, das vornehmlich aus Studenten und nicht aus ausgebildeten Gastronomiefachkräften besteht, bewältigte seine Aufgaben charmant chaotisch.

Zum georderten Wein bekamen wir eine Flasche feines Amsterdamer Leitungswasser. Auf die Vorspeise Tomaten mit Büffelmozarella verzichteten wir. Den Hauptgang kann man in den Varianten Fisch, Fleisch und vegetarisch bestellen und besteht aus einer Ansammlung von kleinen Snacks und Köstlichkeiten, serviert auf einem rohem Holzbrett. Darauf befanden sich dann eine gebackene rote Zwiebel mit einer delikaten Gewürzmayonnaise, gebackenes Wurzelgemüse, gedämpfte Schoten, Radi, köstlichste Käsepolenta, ein würziges Apfelchutney, Fenchel-Champignon-Ragout und ein gekochtes Wachtelei. Dazu je nach Variante ein gebratenes Filet, Räucherlachs bzw. Räucherschinken. Die in Ton gebackene Kartoffel wurde in diesem mit Hammer serviert und am Tisch aufgeschlagen.

Das Dessert kam auf lustig bunt kombiniertem Flohmarktgeschirr: Mousse au chocolat mit Vanilleeis und Himbeeren und als Clou Zuckerwatte auf einem Süßholzzweig. Den Cappucchino gab es im Einmachglas.

Zur Rechnung gab es noch ein Glas mit gebackenen Gemüsechips.

Alles war von bester Qualität und gut, einfach und ehrlich zubereitet.

 

Links:
Studio Marije Vogelzang
Über Marije Vogelzang (youtube)

 

Nachtrag: inzwischen gibt es das Proef nicht mehr. Marije Vogelzang hat es irgendwann aufgegeben, um sich wieder verstärkt um ihre Design Projekte zu kümmern. Ich bin froh, dass ich die Gelegeheit hatte, einmal dort gewesen sein zu können.

 

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