Passagen 2026 – Gemüse und Esswerkzeuge

Bei den diesjährigen Passagen gab es in der Pattenhalle wieder eine Ecke mit niederländischen Designer*innen, die sich alle mit Dingen rund ums Essen beschäftigen.

House of Thol hatte ich letztes Jahr schon entdeckt und über einige Produkte geschrieben.

Diese Jahr hatten sie noch zusätzlich ein Quartettspiel dabei, das sich mit der lagerung von Obst und Gemüse beschäftigt und viele Informationen zu Anbau, Wasserverbrauch, etc. bereithält.

Weiterlesen

Löffelbord im Freilichtmuseum Kommern

Der Löffel ist sicher das älteste Esswerkzeug, gestaltet nach dem Vorbild einer hohlen Hand.

Schon in der Steinzeit schnitzte man sich Esshilfen aus Holz oder Horn und der Holzlöffel war bis zur industriellen Revolution, als man Metalllöffel kostengünstig in großen Mengen herstellen konnte, der Standard. (Mir persönlich verursacht schon alleine die Vorstellung Gänsehaut, ich kann überhaupt kein Holz in den Mund nehmen, auch nichts von einem hölzernen Kochlöffel ablecken. Brrrr.) Also war der Löffel bis dahin ein relativ wertvoller Besitz.

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Löffeln in unterschiedlichsten Formen und aus vielerlei Materialien. Auch für die verschiedensten Speisen und Getränke gibt es jeweils passende Löffel: Kaffee, Tee, Eier, Suppe, Eis, Dessert, etc. Ich habe mal meine Löffel gezählt, ich besitze sage und schreibe gut 110 Stück.

Weiterlesen

Eat Design von Honey & Bunny

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

Der Löffel war einst ein wertvoller Besitz, den man nach dem Tod vererbte. Man gab also den Löffel ab.

Die Gabel stammt ursprünglich aus dem Orient, wo man sie benutzte, um klebriges Konfekt zu verspeisen. Im 11. Jahrhundert gelangte sie über Byzanz nach Europa und wurde zunächst von wenigen italienischen Adeligen benutzt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie am französischen Hof als offizielles Tischgerät eingeführt. Die Kirche verdammte das Essgerät als Teufelsspieß  und klassifizierte seine Verwendung als Sünde. Selbst Martin Luther warnte vor der Gabel.

Das Messer ist eine Waffe, Arbeitsgerät, Ausdruckmittel für Hierarchie und Statussymbol. Individuelles Essgerät ist es erst seit ca. 500 Jahren und das auch nur in der westlichen Welt. Ursprünglich war es nur den Königen und Fürsten vorbehalten bei Tisch das Fleisch mit dem Messer zu zerteilen. In konservativen Haushalten tranchiert auch heute noch der Mann, was die Frau zubereitet hat.

Das sind drei kleine Beispiel aus dem umfassenden und grandiosen Buch “eat design” von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter und aka Honey & Bunny. Die beiden gelernten Architekten führen seit 2003 ein interdisziplinäres Designstudio und beschäftigen sich hauptsächlich mit Food und Eat Design.

Weiterlesen

Besteck „Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy

Das Besteck „Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy setzt sich mit dem auseinander, was normal ist und was nicht.

Fourcroy hat lange mit einer Person zusammengearbeitet, die zuerst als manisch-depressiv diagnostiziert war und der dann eine schizoaffektive Störung diagnostiziert wurde.

Zusätzlich zu Symptomen einer affektiven Störung wie Depression oder Manie treten hier Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis wie Wahn oder Halluzinationen auf. [Wikipedia]

Fourcroy fand, dass der Fokus bei der Behandlung zu sehr auf dem „abnormalen“ Verhalten der Patientin lag, anstatt auf dem Schmerz, den sie empfand und wo die Ursachen lagen. Es ging nur darum, ihr Verhalten zu „normalisieren“
Das war der Ausgangspunkt zu überlegen, was wir als normal definieren.

Weiterlesen

Portion Distortion

Und wieder ein spannendes Projekt, das sich damit auseinandersetzt, wie sich Esswerkzeuge und Geschirr auf Essgewohnheiten und die Art des Essens auswirken: Portion Distortion vom niederländischen/mexikanischen Designstudio José de la O, erarbeitet von Dafne Ríos, beruht auf verschiedenen psychologischen Studien zum Thema Essstörung.

Maze Cover
Ein transluzender Deckel mit einem „Labyrinth“ verlangsamen das Essen und verhindern das reinschaufeln. Da das Gehirn ca. 20 Minuten baucht, um festzustellen, dass man satt ist, wird oft mehr gegessen, als der Körper braucht.

Portion Proportion
Die gepunkteten Muster auf Tellern und Schüsseln geben eine Referenz zur Portionsgröße (eine Hand voll), die Farben beziehen sich auf Proteine, Rohkost, Kohlenhydrate und Zucker.

Forks of Excess
Forschungen haben ergeben, dass eine schwere Metallgabel das Essen qualitativ hochwertiger erscheinen lässt, als beispielsweise Palstikbesteck. Es scheint, als würde sich die Qualität des Bestecks auf das Essen übertragen. Auch die Größe des Bestecks spielt eine Rolle. So wurde in Restaurants beobachtet, dass mit kleinem, zierlichem Besteck mehr gegessen wurde, als mit großem. Unter Laborbedingungen, wo die Testpersonen für das Essen nicht zahlen mussten, war es genau andersherum.

Hier wird das Projekt etwas ausführlicher besprochen (englisch).

 

Haptik, Mundgefühl und Werkzeug

Welche enorme Rolle Form, Farbe, Textur und Haptik beim Essen spielen, konnte man neulich hier nachlesen.

Aber auch das Esswerkzeug, sprich Besteck, spielt dabei ein große Rolle, wie Martin Kullik in einem sehr erhellenden Interview in der taz erläutert. Martin Kullik hat zusammen mit Jouw Wijnsma das Projekt Steinbeisser, das sich mit Esskultur beschäftigt.

Steinbeissers experimentelle Gastronomie findet vom 2. bis 5. Juli erstmalig in Berlin statt. Dort wird es ein veganes 5-Gänge-Menü geben, dass mit sehr speziellen Essgeräten des estnischen Eisenschmieds Nils Hint eingenommen wird.