Wibkes Blogstöckchen #DieWeltaufdemTeller:

Geschichten vom Essen und Kochen

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Diogenes Verlag, bei der sich Wibke des Buchs „Die Welt auf dem Teller“ von Doris Dörrie annimmt, hat sie ein Blogstöckchen in die Runde geworfen. Sie stellt fünf Fragen, die jeder beantworten kann.

1. Glück, Heimat, Trost, Abenteuer oder „Igittigitt“: Wonach schmeckte Deine Kindheit?

(Das hat mich Wibke 2014 doch tatsächlich schon mal gefragt. 😀 – und ich kann dem nichts hinzufügen.)

Zum Kindergeburtstag selbstgemachtes Eis aus der Tüte und Buttercremetorte, Gulasch mit Rotkohl und Klößen, Streuselkuchen, Brötchen mit Butter und Salz, in Milchkaffee geditscht bei Oma. Das Hühnerfrikassee von meiner Mutter.

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Süßkram – eine Kulturgeschichte der süßen Speisen

Schokolade, Bonbons, Lutscher, Pudding, Torten – man kann es sich kaum vorstellen, dass Süßigkeiten nicht immer schon permanent zur Verfügung standen. Als ich von der Ausstellung hörte stutzte ich auch kurz: Moment, kein Zucker, wie süßt man denn da?

Eine Ausstellung im Clemens-Sels Museum Neuss zeigt vom 28.7.-13.10.2019 die Geschichte gesüßter Speisen von den Römern bis zur Gegenwart, vom Luxusartikel zur Massenware.

Römischer Doppelhenkeltopf, vermutlich wurde in ihm Honig aufbewahrt

Bevor der Zucker in unsere Gefilde kam, hatte man nämlich nur die Möglichkeit mit Obst und Honig zu süßen. Honig hat man schon in der Steinzeit gesammelt, und in der Jungsteinzeit hat man schon Bienenvölker kultiviert.
Bevor die Römer ins Rheinland kamen gab es hier nur Wildobst, also wilde Beeren, Brombeeren, Himbeeren oder Holzäpfel, die ungekocht nicht genießbar waren.
Die Römer haben vor ca. 2000 Jahren den Obstanbau ins Rheinland gebracht, Früchte, wie Pflaumen, Trauben, Äpfel, Kirschen. Obst wurde zu Gelees eingekocht, die man zum Süßen verwendete. Das waren die Möglichkeiten zum süßen!

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Menükarten beflügeln die Phantasie

Buchcover "Wohl bekam's"

Wann habt Ihr das letzte mal eine Menükarte in den Händen gehalten? Bei mir war es wahrscheinlich vor über 20 Jahren, beim runden Geburtstag der Mutter einer Freundin. Ganz sicher aber Mitte der 70er Jahre, als einer meiner Onkel heiratete. Die Hochzeit fand in einem Schloss in oder in der Nähe von Bad Ems statt und ich erinnere mich noch daran, dass es Schildkrötensuppe gab. Das ginge ja heutzutage gar nicht mehr, aber als Kind fand ich das hochinteressant und ich meine mich zu erinnern, dass sie wie eine sehr kräftige Bouillon schmeckte.

Also, ich bewege mich nicht in den Kreisen, in denen Menükarten oft stattfinden.

Tobias Roth und Moritz Rauchhaus haben im kleinen feinen Verlag DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS das wunderbare Buch “Wohl bekam’s – in hundert Menus durch die Weltgeschichte” herausgebracht.

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Buchbesprechung: The Sausage of the Future

Carolien Niebling ist eine niederländische Produktdesignerin, die sich auf das arbeiten mit Nahrungsmitteln spezialisiert hat. Ihr Langzeit Forschungsprojekt „The Future Sausage“ mündete in einem Buch, dessen produktion sie über Crowdfunding finanziert hat. Ihre Mission ist es, den Fleischkonsum zu reduzieren – mit bestehenden Materialien und Produktionen.

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Eat Design von Honey & Bunny

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

Der Löffel war einst ein wertvoller Besitz, den man nach dem Tod vererbte. Man gab also den Löffel ab.

Die Gabel stammt ursprünglich aus dem Orient, wo man sie benutzte, um klebriges Konfekt zu verspeisen. Im 11. Jahrhundert gelangte sie über Byzanz nach Europa und wurde zunächst von wenigen italienischen Adeligen benutzt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie am französischen Hof als offizielles Tischgerät eingeführt. Die Kirche verdammte das Essgerät als Teufelsspieß  und klassifizierte seine Verwendung als Sünde. Selbst Martin Luther warnte vor der Gabel.

Das Messer ist eine Waffe, Arbeitsgerät, Ausdruckmittel für Hierarchie und Statussymbol. Individuelles Essgerät ist es erst seit ca. 500 Jahren und das auch nur in der westlichen Welt. Ursprünglich war es nur den Königen und Fürsten vorbehalten bei Tisch das Fleisch mit dem Messer zu zerteilen. In konservativen Haushalten tranchiert auch heute noch der Mann, was die Frau zubereitet hat.

Das sind drei kleine Beispiel aus dem umfassenden und grandiosen Buch “eat design” von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter und aka Honey & Bunny. Die beiden gelernten Architekten führen seit 2003 ein interdisziplinäres Designstudio und beschäftigen sich hauptsächlich mit Food und Eat Design.

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Schwärmerei für Chef’s Table

Die Netflix Serie “Chefs Table” habe ich erst relativ spät entdeckt. Sie startete 2015 und inzwischen erschien die 4. Staffel.

Ich stecke noch mitten in der zweiten, möchte hier aber schon mal ein bisschen schwärmen:

In jeder der ca. 50 minütigen Folge wird ein Spitzenkoch portraitiert. Das Prinzip ist immer gleich: Der Koch erzählt aus seinem Leben und von seiner Arbeit, die Bilder sind wunderschön, jedem Koch wird ein Gastrokritiker an die Seite gestellt – diesen Bestandteil hätte man sich wirklich sparen können, denn jeder der Kritiker verwendet exakt das gleiche Vokabular für “seinen” Koch: der Beste, einzigartig, genial, kreativ, originell”. Das ist so langweilig. Egal.

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Der Prinz ist Produktdesigner …

Das wusste ich nicht und das hat mich tatsächlich überrascht: Carl Philip, Prinz von Schweden ist Produktdesigner. Mit seinem Kompagnon Oscar Kylberg hat er ein wirklich schönes, kompostierbares Einweggeschirr entworfen. Es besteht zu 100% aus pflanzlichem Material.

Anmerkung 2025: Diese Produkte wurden scheinbar aus dem Programm genommen. Sie existieren weder auf der Website, noch sind die Instagram Posts verfügbar.

Das Besteck ist, wie viele Einwegbestecke aus CPLA, ist elegant geformt und sieht (zumindest auf den Fotos) aus wie Melamin. Laut Kylberg soll es bis zu zehnmal benutzbar sein.

Wikipedia -> Biokunststoff

Das Geschirr besteht aus Bagasse, das sind die faserigen Überreste der Zuckerfabrikation aus Zuckerrohr und Sorghumhirsen.

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Workshop: Essen und Performance

Die Bundesakademie für Kulturelle Bildung veranstaltete im April ein Kulturcamp (nein, es war kein Barcamp) unter dem Motto „Ausgekocht“. Es ging um Essen und Kunst. Fünf Workshops waren geplant, die sich in unterschiedlichen Disziplinen mit dem Thema Essen beschäftigen wollten. Ich war sehr glücklich, am Workshop „Essen und Performance“ teilzunehmen, vereinen sich hier zwei meiner Leidenschaften. Mehr Deckel auf Topf geht nicht.

Den Workshop leitete Malte Pfeiffer, Mitglied des Performancekollektivs Fräuleinwunder AG, die ganz großartige Arbeiten machen. Sie „integrieren Arbeitsweisen ethnographischer Feldforschung in ihre kulturwissenschaftliche und ästhetische Praxis, sammeln im Selbstexperiment Wissen, Aktions- und Bildmaterial aus sozialen Feldern für den Probenprozess und setzen diese dann in ein Spannungsgefüge zu Motiven der Populären Kultur.“ Zum Thema Essen haben sie 2013 „Ein Bankett für Tiere“ inszeniert.

Wie es sich gehört begann der Workshop am Sonntagnachmittag mit ordentlichem Auffwärmen und einer kurze Vorstellungsrunde, mit jeweils drei Aussagen über sich, wovon eine nicht wahr sein sollte. Ich fand es wahnsinnig schwierig mir ad hoc etwas über mich auszudenken, was nicht stimmt und habe mich in meinen Satzbauten so verheddert, dass mit hinterher auffiel, dass alles wahr war.

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Arpad Dobriban – Wartesystem 7

Die Pardo Bar - vorher/nachher

Die Pardo Bar – vorher/nachher

Auf Arpad Dobriban wurde ich zum ersten Mal aufmerksam, als mir 2014 dieses Video vor die Füße fiel. Viele Dinge, die Arpad Dobriban da anspricht fand ich hochinteressant, konnte es aber erstmal nicht verwerten und legte es beiseite.

Vor ein paar Monaten erfuhr ich, dass er in der Kunstsammlung NRW/K21 Ständehaus eine Art Ausstellung hat. Tatsächlich bespielt er dort seit September 2016 das Museumsrestaurant – die Pardo Bar. Zusätzlich gibt es an vier Terminen eine kommentierte Speisefolge. Als ich mich dann anmelden wollte, waren alle Termine schon ausgebucht, durch einen glücklichen Zufall ergatterte ich noch einen Platz über die Warteliste.

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