Rückblick Seminarteilnahme: Kochbücher und Zeitgeschichte

Als ich über Regina Frisch auf ihr Seminar “Kochbücher und Zeitgeschichte!?“ aufmerksam wurde, war ich sehr entzückt und habe sofort gebucht. Bei jedem Programmpunkt jubelte ich innerlich. Ganz wie für mich gemacht. Das war mir absolut eine viereinhalbstündige Fahrt nach Lichtenfels-Schney wert.

2016 begegnete mir Regina Frisch im Internet, als sie ein Crowdfunding für ihr Buch “Biografie eines Kochbuchs” startete. Das habe ich natürlich gerne unterstützt. Irgendwann tauchte sie auch auf Instagram auf und letztes Jahr haben wir uns auch mal persönlich kennengelernt. Ich verfolge ihre Kochbuch-Forschungen und finde das super spannend. Nicht nur, dass sie weiterhin die Geschichte des Bayerischen Kochbuchs weiterverfolgt, inzwischen analysiert sie u. a. auch Kriegs- und Kolonialkochbücher.

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Menükarten beflügeln die Phantasie

Buchcover "Wohl bekam's"

Wann habt Ihr das letzte mal eine Menükarte in den Händen gehalten? Bei mir war es wahrscheinlich vor über 20 Jahren, beim runden Geburtstag der Mutter einer Freundin. Ganz sicher aber Mitte der 70er Jahre, als einer meiner Onkel heiratete. Die Hochzeit fand in einem Schloss in oder in der Nähe von Bad Ems statt und ich erinnere mich noch daran, dass es Schildkrötensuppe gab. Das ginge ja heutzutage gar nicht mehr, aber als Kind fand ich das hochinteressant und ich meine mich zu erinnern, dass sie wie eine sehr kräftige Bouillon schmeckte.

Also, ich bewege mich nicht in den Kreisen, in denen Menükarten oft stattfinden.

Tobias Roth und Moritz Rauchhaus haben im kleinen feinen Verlag DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS das wunderbare Buch “Wohl bekam’s – in hundert Menus durch die Weltgeschichte” herausgebracht.

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Buchbesprechung: The Sausage of the Future

Carolien Niebling ist eine niederländische Produktdesignerin, die sich auf das arbeiten mit Nahrungsmitteln spezialisiert hat. Ihr Langzeit Forschungsprojekt „The Future Sausage“ mündete in einem Buch, dessen produktion sie über Crowdfunding finanziert hat. Ihre Mission ist es, den Fleischkonsum zu reduzieren – mit bestehenden Materialien und Produktionen.

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Eat Design von Honey & Bunny

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

Der Löffel war einst ein wertvoller Besitz, den man nach dem Tod vererbte. Man gab also den Löffel ab.

Die Gabel stammt ursprünglich aus dem Orient, wo man sie benutzte, um klebriges Konfekt zu verspeisen. Im 11. Jahrhundert gelangte sie über Byzanz nach Europa und wurde zunächst von wenigen italienischen Adeligen benutzt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie am französischen Hof als offizielles Tischgerät eingeführt. Die Kirche verdammte das Essgerät als Teufelsspieß  und klassifizierte seine Verwendung als Sünde. Selbst Martin Luther warnte vor der Gabel.

Das Messer ist eine Waffe, Arbeitsgerät, Ausdruckmittel für Hierarchie und Statussymbol. Individuelles Essgerät ist es erst seit ca. 500 Jahren und das auch nur in der westlichen Welt. Ursprünglich war es nur den Königen und Fürsten vorbehalten bei Tisch das Fleisch mit dem Messer zu zerteilen. In konservativen Haushalten tranchiert auch heute noch der Mann, was die Frau zubereitet hat.

Das sind drei kleine Beispiel aus dem umfassenden und grandiosen Buch “eat design” von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter und aka Honey & Bunny. Die beiden gelernten Architekten führen seit 2003 ein interdisziplinäres Designstudio und beschäftigen sich hauptsächlich mit Food und Eat Design.

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Kulturgeschichte erzählt mit einem Kochbuch

Bayerisches Kochbuch - Biografie eines KochbuchsIch habe an der Produktion des Buchs mitgecrowdfunded und bin superhappy, jetzt mein gedrucktes Exemplar in Händen zu halten. Ich habe gerade erst mal nur reingespinkst und ein bisschen geblättert, mich noch nicht vertieft, aber ich finde das Thema so sensationell.

Was kann die Gliederung eines Kochbuchs schon erzählen?
Vieles: Sie verrät Probleme der Anfangsjahre, berichtet von Hunger und Sattheit, von gesellschaftlichen Regeln und Alltagskultur. Über all das gibt die Semantik des Werkes Auskunft. Darum lohnt sich die Frage, wie die Rezepte angeordnet sind.

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Blick in den Kühlschrank

Der Blick in den Kühlschrank anderer Leute kann spannend sein und interessante Einblicke in das Leben und Wesen der Person geben. Serien dazu gab es schon einige.

Der Taschenverlag hat nun ein Buch über die Kühlschränke von Spitzenköchen veröffentlicht: Inside Chef’s Fridges. Aber wird man da Überraschendes entdecken? Ich kenne das Buch nicht, vermute aber eher Einblicke in die Auslage von Delikatessengeschäften. Jürgen Dollase hat ähnliche Bedenken, ist aber, ebenso wie wie die Kochfreunde dann doch recht angetan von der Publikation.

Für Koch-Freaks sicher eine Inspiration.

 

 

Bistro invitro

Das Bistro invitro ist ein spannendes Projekt, das sich mit der Vision von im Labor gezüchtetem Fleisch auseinandersetzt. Besonders daran ist, dass sowohl Köche, als auch Designer und Künstler daran beteiligt sind. Die Diskussion ist nicht wertend und beleuchtet alle Aspekte.

2014 wurde das invitro Cookbook mit futuristischen Rezepten publiziert. Es gab einen Wettbewerb, bei dem Kreative aus aller Welt aufgerufen waren, Rezepte und Produkte zu entwerfen. Das Buch wurde mit dem niederländischen Design Award ausgezeichnet.

Der erste In-vitro-Burger wurde von einem holländischen Forscherteam unter der Leitung von Mark Post zur Verfügung gestellt und am 5. August 2013 bei einer Pressedemonstration in London zubereitet und getestet. Auf Bistro invitro gibt es übrigens eine Anleitung, wie man sich das Fleisch für einen invitro Burger selber züchten kann.

Ein weiterer netter Gimmick: Man kann sich ein Menü zusammenstellen, und bekommt daraufhin eine kulinarische „Typberatung“ – ich bin offensichtlich ein „mindful bon vivant“. Man kann sich einen Platz im Bistro für das Jahr 2028 reservieren lassen und erhält damit eine Chance, ein invitro Kochbuch zu gewinnen.

Die vorgestellten Gerichte und Produkte reichen – zumindest der Abbildung nach – von „tja, warum eigentlich nicht“ bis zu „ach nein danke, mir ist schon schlecht“.

 

Das kulinarische Quartett – Tellerlesen auf der Litcologne

Und weil meine Twitteraccounts inzwischen auch gelöscht sind, bleiben nur ein paar Textschnipsel übrig – aber immerhin.

 


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Blake Little übergießt mit Honig

Der Fotograf Blake Little übergießt Menschen mit Honig und macht davon ganz erstaunliche Fotos.

Die Idee dazu entstand zufällig als er bei einem Shooting einen Mann, der aussah wie ein Bär, Honig essen ließ – wie ein Bär. Eigentlich eine blöde, stereotype Idee, wie Little selber sagt. Aber als er dann später ein Foto von der Hand des Mannes betrachtet, die vor Honig troff, inspierierte ihn dies zu der Serie.
Inzwischen hat er viele, viele Menschen mit Honig übergossen. Alte, junge, dicke, dünne, große, kleine.
Die Serie heißt Preservation, denn die Menschen wirken wie in Bernstein eingeschlossen – konserviert.
Es ist faszinierend, wie der Honig Körperformen gleichermaßen glättet und verzerrt und gleichzeitig Unsterblichkeit und Tod suggeriert.

Ein Buch erscheint dieser Tage [ http://preservationbook.com/ ]

Artikel bei Ignant