Rückblick Seminarteilnahme: Kochbücher und Zeitgeschichte

Als ich über Regina Frisch auf ihr Seminar “Kochbücher und Zeitgeschichte!?“ aufmerksam wurde, war ich sehr entzückt und habe sofort gebucht. Bei jedem Programmpunkt jubelte ich innerlich. Ganz wie für mich gemacht. Das war mir absolut eine viereinhalbstündige Fahrt nach Lichtenfels-Schney wert.

2016 begegnete mir Regina Frisch im Internet, als sie ein Crowdfunding für ihr Buch “Biografie eines Kochbuchs” startete. Das habe ich natürlich gerne unterstützt. Irgendwann tauchte sie auch auf Instagram auf und letztes Jahr haben wir uns auch mal persönlich kennengelernt. Ich verfolge ihre Kochbuch-Forschungen und finde das super spannend. Nicht nur, dass sie weiterhin die Geschichte des Bayerischen Kochbuchs weiterverfolgt, inzwischen analysiert sie u. a. auch Kriegs- und Kolonialkochbücher.

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Buchbesprechung: The Sausage of the Future

Carolien Niebling ist eine niederländische Produktdesignerin, die sich auf das arbeiten mit Nahrungsmitteln spezialisiert hat. Ihr Langzeit Forschungsprojekt „The Future Sausage“ mündete in einem Buch, dessen produktion sie über Crowdfunding finanziert hat. Ihre Mission ist es, den Fleischkonsum zu reduzieren – mit bestehenden Materialien und Produktionen.

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Brutal schön – auch beim Essen

Brutal schön – da kann das Thema Essen nicht aussen vor bleiben. Die Arbeiten von Ron From zeigen schon auf wunderbare Weise, wie man mit Nahrungsmitteln brutale Umstände subtil be- und verarbeiten kann.

Es gab noch zwei weitere Arbeiten zum Thema Ernährung und Design, bei denen es beide um Hühner geht.

Der niederländische Designer Dave Hakkens ist mit mehreren Arbeiten in der Ausstellung vertreten. Unter anderem hat er eine Videoplattform ins Leben gerufen, die den programmatischen Namen Story Hopper hat und auf der Geschichten und Ideen geteilt werden können, die die Welt ein bisschen besser machen. Eine Geschichte handelt vom Huhn Frieda. Frieda wurde aus einer Massentierhaltung gerettet und hat bei den Hakkens ein neues Zuhause gefunden. Frieda entwickelte sich zu einem propperen gesunden Huhn, mit viel Selbstbewusstsein, denn eines Tages verschwand sie und alle hoffen, dass sie ihre ultimative Freiheit gefunden hat.

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Honey & Bunny – Food Performance und Eatdesign

Honey & Bunny – das sind Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, von Haus aus  Architekten, die sich natürlich auch mit Design auseinandersetzen. Aus einem persönlichen Interesse an Fooddesign stellten sie irgendwann fest, dass es kein vernünftiges Buch zum Thema gab und haben kurzerhand selber eins geschrieben. Fooddesign und Fooddesign XL gehören seither mit zu den deutschspachigen Standardwerken zum Thema.

In ihren Arbeiten beschäftigen sie sich schwerpunktmäßig mit der Art wie wir was essen, Tischkultur und -sitten, aber auch mit unserem Umgang mit Nahrungsmitteln. Sie beleuchten kritisch die (industrielle) Nahrungsproduktion und engagieren sich für Nachhaltigkeit.
Was mir an den Arbeiten von Honey und Bunny besonders gut gefällt ist, dass sie fast  immer theatral und performativ und mit starken Bildern arbeiten.

2012 dekonstruierten sie bei einer Eat Art Performance Esstisch und -werkzeuge. Im gleichen Jahr haben sie in einer Performance Mailand  „Fooddesign“ unter die Lupe genommen und auf satirische Art Designer, Chemiker, Mediziner und Konsumenten in ihrem Umgang mit Nahrungsmitteln portraitiert – vielleicht eher karikiert.

 

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Portion Distortion

Und wieder ein spannendes Projekt, das sich damit auseinandersetzt, wie sich Esswerkzeuge und Geschirr auf Essgewohnheiten und die Art des Essens auswirken: Portion Distortion vom niederländischen/mexikanischen Designstudio José de la O, erarbeitet von Dafne Ríos, beruht auf verschiedenen psychologischen Studien zum Thema Essstörung.

Maze Cover
Ein transluzender Deckel mit einem „Labyrinth“ verlangsamen das Essen und verhindern das reinschaufeln. Da das Gehirn ca. 20 Minuten baucht, um festzustellen, dass man satt ist, wird oft mehr gegessen, als der Körper braucht.

Portion Proportion
Die gepunkteten Muster auf Tellern und Schüsseln geben eine Referenz zur Portionsgröße (eine Hand voll), die Farben beziehen sich auf Proteine, Rohkost, Kohlenhydrate und Zucker.

Forks of Excess
Forschungen haben ergeben, dass eine schwere Metallgabel das Essen qualitativ hochwertiger erscheinen lässt, als beispielsweise Palstikbesteck. Es scheint, als würde sich die Qualität des Bestecks auf das Essen übertragen. Auch die Größe des Bestecks spielt eine Rolle. So wurde in Restaurants beobachtet, dass mit kleinem, zierlichem Besteck mehr gegessen wurde, als mit großem. Unter Laborbedingungen, wo die Testpersonen für das Essen nicht zahlen mussten, war es genau andersherum.

Hier wird das Projekt etwas ausführlicher besprochen (englisch).

 

Blog-Entdeckung: Nachschlag

Heute habe ich das Blog Nachschlag – Esskultur in Wort und Bild von Johannes J. Arens entdeckt. Was für eine Entdeckung! Eine ganz fabelhafte Rubrik dort ist u. a. Kas|sen|zet|tel. Johannes sammelt Einkaufs- und Kassenzettel und macht sich darauf einen Reim.

Manche Einkaufszettel hebe ich zuhause auf, weil es mich rührt, dass jemand sich die Mühe gemacht hat, seinen Alltag mittels eines ordentlich verfassten Zettels zu strukturieren. Eine kleine Sammlung, aber es könnten mehr werden.

Seit Dezember 2015 hat er sich ein Projekt vorgenommen. Er kocht nun Gerichte aus gefundenen Einkaufszetteln.

Drei Lebensmittel müssen draufstehen, kein Convenience, sondern Dinge mit denen man etwas kochen kann.

Johannes kocht daraus wirklich ernsthafte Gerichte – nicht wie Tom Lakeman –  aber es gibt dazu auch immer eine wunderbare Geschichte. Über den Fundort, die näheren Umstände, die Leute vor Ort, und die Rezepte gibt es außerdem dazu.

Ist in meinen Feed gewandert und ich werden das weiter verfolgen.

Bistro invitro

Das Bistro invitro ist ein spannendes Projekt, das sich mit der Vision von im Labor gezüchtetem Fleisch auseinandersetzt. Besonders daran ist, dass sowohl Köche, als auch Designer und Künstler daran beteiligt sind. Die Diskussion ist nicht wertend und beleuchtet alle Aspekte.

2014 wurde das invitro Cookbook mit futuristischen Rezepten publiziert. Es gab einen Wettbewerb, bei dem Kreative aus aller Welt aufgerufen waren, Rezepte und Produkte zu entwerfen. Das Buch wurde mit dem niederländischen Design Award ausgezeichnet.

Der erste In-vitro-Burger wurde von einem holländischen Forscherteam unter der Leitung von Mark Post zur Verfügung gestellt und am 5. August 2013 bei einer Pressedemonstration in London zubereitet und getestet. Auf Bistro invitro gibt es übrigens eine Anleitung, wie man sich das Fleisch für einen invitro Burger selber züchten kann.

Ein weiterer netter Gimmick: Man kann sich ein Menü zusammenstellen, und bekommt daraufhin eine kulinarische „Typberatung“ – ich bin offensichtlich ein „mindful bon vivant“. Man kann sich einen Platz im Bistro für das Jahr 2028 reservieren lassen und erhält damit eine Chance, ein invitro Kochbuch zu gewinnen.

Die vorgestellten Gerichte und Produkte reichen – zumindest der Abbildung nach – von „tja, warum eigentlich nicht“ bis zu „ach nein danke, mir ist schon schlecht“.

 

Food und Textildesign

Cecile Elisabeth Rudolph ist Textildesignerin.
Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Essen und Nahrungsmitteln und setzt sie in eine spannende Beziehung.
Textil, da denken die meisten sicher erst mal an Stoffe und Mode; Kleidung – unsere zweite Haut. Und im Zusammenhang mit Food, vielleicht an Tischdecken, Servietten Sets.

Cecile hat zwei verschiedene Ansätze:
Velbekomme’ – Guten Appetit auf Dänisch – beschäftigt sich u. a. mit der Verschwendung von Nahrungsmitteln, betont die Komplexität und Herausforderung mit Nahrungsmittelverschwendung auf der einen und die hohen Ansprüche an unsere Ernährung auf der anderen Seite.

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I wish there was a color for active listening.

Lesenswert: Der Tumblr drawingcircles von Alex Todaro über seine Diplomarbeit zum Thema EatingDesign mit vielen weiterführenden Links.  Kernstück der Arbeit ist ein interaktiver Esstisch, der die Kommunikation während des Essens visualisiert.

My recent research has led me down a strong path of theory and criticism. More specifically I’ve been looking into deconstructing objects into more nuanced criteria beyond aesthetics and functionality. “Para-functionality” is a form of design where function is used to encourage reflection on how products condition our behavior.

Para”Suggests design is within the realm of utility but goes beyond conventional definitions of functionalism to include the poetic. 

This idea begins to break down the barriers of Recognize: Respond. Implicitly ‘recognition’ denotes a form of relying on a previous understanding of an object and it’s relationship to different behaviors. An easy example is the telephone. Before the iphone, we could look at any phone and easily stereotype it’s behavior. However once the iphone was made, or any mobile telephone for that matter we could no longer simply recognize it, a transition into perception was necessary to modify our previously held beliefs allowing for new possibilities for our relationships with the object.

 

Haptik, Mundgefühl und Werkzeug

Welche enorme Rolle Form, Farbe, Textur und Haptik beim Essen spielen, konnte man neulich hier nachlesen.

Aber auch das Esswerkzeug, sprich Besteck, spielt dabei ein große Rolle, wie Martin Kullik in einem sehr erhellenden Interview in der taz erläutert. Martin Kullik hat zusammen mit Jouw Wijnsma das Projekt Steinbeisser, das sich mit Esskultur beschäftigt.

Steinbeissers experimentelle Gastronomie findet vom 2. bis 5. Juli erstmalig in Berlin statt. Dort wird es ein veganes 5-Gänge-Menü geben, dass mit sehr speziellen Essgeräten des estnischen Eisenschmieds Nils Hint eingenommen wird.