Die Journalistin Iska Schreglmann hat im Nachlass ihrer Mutter ein Kochbuch von 1871 gefunden und begibt sich auf Spurensuche. Es geht um Hunger nach dem 2. Weltkrieg, wie sich auch Essgewohnheiten über Generationen durch Familien vermitteln und im dritten Teil kocht sie mit ihrem Sohn ein Rezept aus dem alten Kochbuch nach.
Ich finde hier drei Aspekte – die mich auch in anderen Bereichen beschäftigen – spannend:
Esskultur, nonverbale, über Generationen weitergegebene Traumata und Familienforschung.
Nun mache ich hier ausnahmsweise das, was hier normalerweise nicht stattfindet: Über Restaurants und Restaurantessen schreiben. Aber natürlich streifen wir das Thema Esskultur.
Brot gehört nicht zur traditionellen japanischen Ernährung. Es kam in den 50er Jahren in Form von Toastbrot (via Weizenimporte der Amerikaner) ins Land und ist seither als „traditionelles“ Frühstück beliebt.
Ai Kosaka hat das ganze Bauprojekt inklusive Grundstückskauf mit Bank-Darlehen finanziert und ihr Marketingkonzept durch Crowdfunding finanziert. Diese Kampagne lief wohl auch ausserordentlich erfolgreich.
Im Rahmen einer Kooperation mit dem Diogenes Verlag, bei der sich Wibke des Buchs „Die Welt auf dem Teller“ von Doris Dörrie annimmt, hat sie ein Blogstöckchen in die Runde geworfen. Sie stellt fünf Fragen, die jeder beantworten kann.
(Das hat mich Wibke 2014 doch tatsächlich schon mal gefragt. 😀 – und ich kann dem nichts hinzufügen.)
Zum Kindergeburtstag selbstgemachtes Eis aus der Tüte und Buttercremetorte, Gulasch mit Rotkohl und Klößen, Streuselkuchen, Brötchen mit Butter und Salz, in Milchkaffee geditscht bei Oma. Das Hühnerfrikassee von meiner Mutter.
eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb
Der Löffel war einst ein wertvoller Besitz, den man nach dem Tod vererbte. Man gab also den Löffel ab.
Die Gabel stammt ursprünglich aus dem Orient, wo man sie benutzte, um klebriges Konfekt zu verspeisen. Im 11. Jahrhundert gelangte sie über Byzanz nach Europa und wurde zunächst von wenigen italienischen Adeligen benutzt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie am französischen Hof als offizielles Tischgerät eingeführt. Die Kirche verdammte das Essgerät als Teufelsspieß und klassifizierte seine Verwendung als Sünde. Selbst Martin Luther warnte vor der Gabel.
Das Messer ist eine Waffe, Arbeitsgerät, Ausdruckmittel für Hierarchie und Statussymbol. Individuelles Essgerät ist es erst seit ca. 500 Jahren und das auch nur in der westlichen Welt. Ursprünglich war es nur den Königen und Fürsten vorbehalten bei Tisch das Fleisch mit dem Messer zu zerteilen. In konservativen Haushalten tranchiert auch heute noch der Mann, was die Frau zubereitet hat.
Das sind drei kleine Beispiel aus dem umfassenden und grandiosen Buch “eat design” von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter und aka Honey & Bunny. Die beiden gelernten Architekten führen seit 2003 ein interdisziplinäres Designstudio und beschäftigen sich hauptsächlich mit Food und Eat Design.
Die Netflix Serie “Chefs Table” habe ich erst relativ spät entdeckt. Sie startete 2015 und inzwischen erschien die 4. Staffel.
Ich stecke noch mitten in der zweiten, möchte hier aber schon mal ein bisschen schwärmen:
In jeder der ca. 50 minütigen Folge wird ein Spitzenkoch portraitiert. Das Prinzip ist immer gleich: Der Koch erzählt aus seinem Leben und von seiner Arbeit, die Bilder sind wunderschön, jedem Koch wird ein Gastrokritiker an die Seite gestellt – diesen Bestandteil hätte man sich wirklich sparen können, denn jeder der Kritiker verwendet exakt das gleiche Vokabular für “seinen” Koch: der Beste, einzigartig, genial, kreativ, originell”. Das ist so langweilig. Egal.
Why isn’t there a museum devoted to food at the same level of something that’s like the Natural History Museum or the Smithsonian? If I want to learn about you, I’m going to go to your house and we’ll break bread. We’ll have dinner. Then I feel like I’ll know who you are. And it’s that idea that we can experience cultures through what we eat and how we eat and the history of how we eat. That (idea) needs a museum because you can’t eat on TV. You can’t read about food and have tasted it.
Dave Arnold on CNN’s The Next List, 2012
Der Ober brachte die Eier und den Tee und zog sich lautlos zurück. (…)
Die Eier schmecken alt, das tun sie immer, und es wundert mich nicht sehr, seit ich weiß, dass sie nicht von munter scharrenden Hennen, sondern von unseligen, eingesperrten Kreaturen stammen. Diese Eier sind ihre Rache. Ich stehe natürlich ganz auf seiten dieser Roboter. Noch viel ärger müssten die Eier schmecken, um unser schändliches Tun zu strafen. Ich spüle sie mit Tee hinunter, der zwar nicht nach Tee schmeckt, aber wenigstens den Eigeschmack vergessen ließ. Dann wischte ich mir den Mund ab und sah in den Taschenspiegel. (…)
Alles was es in diesem Café zu essen gibt, habe ich schon durchprobiert, genießbar ist nur der Kaffee, er ist sogar vorzüglich. Der Schinken schmeckt nach stark gesalzenem Papier, der gebratene Specke ist ranzig, und Wurst kommt überhaupt nicht in Betracht. Dann kann man noch Russisches Ei bestellen, aber das tut keiner ein zweites Mal, genießbar daran ist nur das Salatblatt, das eben nach Gras schmeckt. In anderen Cafés ist es nicht besser, nur teurer, und hier sitzt man wenigstens angenehm und ungestört. Hubert behauptet immer, ich sei heikel, aber das stimmt nicht, ich erinnere mich unglückseligerweise nur daran, wie Speisen eigentlich schmecken sollten.
Marlen Haushofer: Die Mansarde
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main, 1986
Alles, was wir essen ist ungenießbar geworden. Hühner, Schweine und Kälber schmecken nach aufgequollenen Waschlappen. Wenn ich Kalbsgulasch koche, sagt Hubert: „Pfui Teufel, was riecht denn da so nach Leichen?“ In letzter Zeit koche ich deshalb nur noch Rindsgulasch, vielleicht weigern sich die Kühe hartnäckig, etwas anderes zu fressen als Gras und Heu. Wahrscheinlich ist es ganz gut, daß Hubert raucht, dann merkt er nicht so genau, wie grauslich alles schmeckt. Es entgeht ihm, daß das Schlagobers stinkt und daß der Karpfen nach Petroleum riecht.
Alles wird immer teurer, schmeckt immer schlechter und ist dafür bombastisch verpackt.
(…)
Das Unheimliche an diesem Zustand ist, daß jeder es weiß und kaum einer darüber redet. Wir schlucken geduldig hinunter, was man uns vorsetzt. Ochsen sind wir, die einen Ring durch die Nase tragen und brav auf vorgeschriebenen Pfaden dahintraben. Am Samstag hatte ich eingelegte Maiskolben und Artischocken gekauft. Sie waren sündteuer, und beides schmeckte wie Essiggurken. Für diese Dinge scheint kein Mensch zuständig zu sein. Es gibt keinen, den man dafür anklagen könnte. Denn vom Minister bis zum Hausmeister essen wir alle geduldig in Säure getränktes Löschpapier.
Marlen Haushofer: Die Mansarde
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main, 1986
Auf der Expo 2015 hat die italienische Design Agentur Carlo Ratti den Prototypen eines digitalen Supermarkts gebaut.
Jedes Produkt hat eine eigene Geschichte. In Zukunft wird man alles, was man über einen bestimmten Apfel wissen will, erfahren können: Der Baum, an dem er gewachsen ist, die chemische Behandlung die er bekomemn hat, die Reise, die er bis zum Supermarkt hinter sich hat.
Im digitale Supermarkt sind 1500 Produkte auf interaktiven Flächen präsentiert. Informationen zum jeweiligen Produkt erhält der Kunde über Spiegel und Augmented Reality.