Processed Views – von Barbara Ciurej und Lindsay Lochman

Barbara Ciurej und Lindsay Lochman arbeiten kollaborativ an Fotoprojekten, bei denen sie sich mit dem Zusammenfluss aus Geschichte, Legenden und Popkultur beschäftigen, mit dem Ziel zu verstehen wer wir (sie, die Gesellschaft) sind.

Bei Processed Views erforschen sie die Grenzen der industriellen Nahrungsmittelproduktion, die verführerische Schnittstelle von Natur und Technologie. Je weiter man sich von den Quellen und Ursprüngen der Nahrung entfernt, desto weiter dringt man vor, in unerschlossenes und unerforschtes Gebiet, mit einer Fülle von unbekannten Nebenwirkungen und Konsequenzen für Natur und Gesundheit.

In ihren Landschaften aus verarbeiteten, industriellen Nahrungsmitteln interpretieren sie die Fotografien von Carleton Watkins (1829-1916), der ab 1861 als Fotograf tätig war. „Nach ersten Versuchen wurde die Landschaftsfotografie Watkins große Leidenschaft und blieb es bis an sein Lebensende. Zusammen mit dem Maler William Keith bereiste Watkins den wilden Westen und konnte – nach eigenem Bekunden – noch ein letztes Mal Amerikas Vergangenheit fotografieren. Seine Fots vom Yosemite-Tal überzeugten den Kongress, den Yosemite-Nationalpark zu gründen.“
W
ikipedia

Watkins Fotos formten das Bild von einem Amerika der unbegrenzten Möglichkeiten. Seine Bilder sind gleichzeitig Dokumentation und Werbung für den amerikanischen Westen.

Kulturgeschichte erzählt mit einem Kochbuch

Bayerisches Kochbuch - Biografie eines KochbuchsIch habe an der Produktion des Buchs mitgecrowdfunded und bin superhappy, jetzt mein gedrucktes Exemplar in Händen zu halten. Ich habe gerade erst mal nur reingespinkst und ein bisschen geblättert, mich noch nicht vertieft, aber ich finde das Thema so sensationell.

Was kann die Gliederung eines Kochbuchs schon erzählen?
Vieles: Sie verrät Probleme der Anfangsjahre, berichtet von Hunger und Sattheit, von gesellschaftlichen Regeln und Alltagskultur. Über all das gibt die Semantik des Werkes Auskunft. Darum lohnt sich die Frage, wie die Rezepte angeordnet sind.

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Notes on Creativity – Ferran Adrià

Ferran Adrià - Notes on Creativity

Ferran Adrià ist der Koch  mit dem Bleistift und Notizbuch. (Sein liebstes Werkzeug, nach eigener Aussage) Statt Rezepte aufzuschreiben, zeichnet und scribbelt er sie. Er skizzierte ein Gericht, bevor er überhaupt weiß, was die einzelnen Bestandteile sein sollten.

Adrià erklärt, dass er mehr ein theoretischer, als ein praktischer Koch sei und dass ihm das Zeichnen ein Vokabular für die Küche zur Verfügung stellt, dass kochen seine Sprache ist.

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Brutal schön – auch beim Essen

Brutal schön – da kann das Thema Essen nicht aussen vor bleiben. Die Arbeiten von Ron From zeigen schon auf wunderbare Weise, wie man mit Nahrungsmitteln brutale Umstände subtil be- und verarbeiten kann.

Es gab noch zwei weitere Arbeiten zum Thema Ernährung und Design, bei denen es beide um Hühner geht.

Der niederländische Designer Dave Hakkens ist mit mehreren Arbeiten in der Ausstellung vertreten. Unter anderem hat er eine Videoplattform ins Leben gerufen, die den programmatischen Namen Story Hopper hat und auf der Geschichten und Ideen geteilt werden können, die die Welt ein bisschen besser machen. Eine Geschichte handelt vom Huhn Frieda. Frieda wurde aus einer Massentierhaltung gerettet und hat bei den Hakkens ein neues Zuhause gefunden. Frieda entwickelte sich zu einem propperen gesunden Huhn, mit viel Selbstbewusstsein, denn eines Tages verschwand sie und alle hoffen, dass sie ihre ultimative Freiheit gefunden hat.

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Eat Art bei „brutal schön“: Ron From

Ich werde habe bei Vogelsfutter noch ausführlich über die Ausstellung brutal schön im Marta Herford berichtet. Vorab aber schon mal ein Blick auf auf die Eat Art Arbeiten, insbesonder die Israeli Goods“ von Ron From, die mich ganz besonders beeindruckt haben.

Israeli Goods - Ron From

Foto: © Ron From

Israeli Goods sind Schokoladen und Pralinen in edler, aufwendiger Verpackung, naturweiß, mit Leinenoptik und Golddruck. Die häbräischen Zeichen bedeuten “ The Goods from the Land“. Ron hat es mit Israeli Goods übersetzt.

Greater Israel ist eine Tafel Schokolade, mit den Grenzen und einer groben Topografie Israels. Die Beschreibung lautet:
Der Staat Israel befindet sich im mittleren Osten, der sich auf dem Kontinent Asien befindet. Die Grenzen sind: im Westen das Mittelmeer und der Gazastreifen, im Norden der Libann, im Nordosten Syrien, im Osten Jordanien und im Süden Ägypten und das rote Meer. 1967 vergrößerte sich das israelische Territorium um die Golanhöhen, die Westbank und den Gazastreifen. Inzwischen  beanspruchen die Palästinenser die Gebiete der Westbank und des Gazastreifens als eigene Staatsgebiete.
Die Schokolade enthält zerbröselte Waffeln für die spröde Brüchigkeit.

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Honey & Bunny – Food Performance und Eatdesign

Honey & Bunny – das sind Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, von Haus aus  Architekten, die sich natürlich auch mit Design auseinandersetzen. Aus einem persönlichen Interesse an Fooddesign stellten sie irgendwann fest, dass es kein vernünftiges Buch zum Thema gab und haben kurzerhand selber eins geschrieben. Fooddesign und Fooddesign XL gehören seither mit zu den deutschspachigen Standardwerken zum Thema.

In ihren Arbeiten beschäftigen sie sich schwerpunktmäßig mit der Art wie wir was essen, Tischkultur und -sitten, aber auch mit unserem Umgang mit Nahrungsmitteln. Sie beleuchten kritisch die (industrielle) Nahrungsproduktion und engagieren sich für Nachhaltigkeit.
Was mir an den Arbeiten von Honey und Bunny besonders gut gefällt ist, dass sie fast  immer theatral und performativ und mit starken Bildern arbeiten.

2012 dekonstruierten sie bei einer Eat Art Performance Esstisch und -werkzeuge. Im gleichen Jahr haben sie in einer Performance Mailand  „Fooddesign“ unter die Lupe genommen und auf satirische Art Designer, Chemiker, Mediziner und Konsumenten in ihrem Umgang mit Nahrungsmitteln portraitiert – vielleicht eher karikiert.

 

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forcups von Birgitte Boesgaard

Birgitte Boesgaard hat bildende Kunst und Modedesignerin studiert. Sie arbeitet mit Textilien und Keramik, erstellt Skulpturen, Objekte und Schmuck.

Hier möchte ich ihre forcups vorstellen. Kleine Büsten – sind es Portraits? – die in Untertassen, Tassen oder Backförmchen leben und ganz keck Tassen, Deckel von Kaffeekannen oder Milchkännchen als Hüte tragen. Der Kerzenständer scheint die Dame mit der ausladenden Frisur zu erdrücken, während das Sake-Tässchen dem Herrn ganz pfiffig zu Gesichte steht. Die Dame in der Zahnstocherdose fühlt sich wohl etwas beengt und der Herr im grünen Hemd fühlt sich mit dem Kaffeetassen-Hut erhaben.

Birgitte Boesgaard - forcups Birgitte Boesgaard - forcups

Wunderbar, wie Geschirr so zu Modeaccessoires wird und den kleinen Persönlichkeiten ein zusätzliches Attribut verleiht. Kleider machen Leute – Geschirr offensichtlich auch.

 

Besteck „Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy

Das Besteck „Homemade Schizophrenia“ von Firdaws Fourcroy setzt sich mit dem auseinander, was normal ist und was nicht.

Fourcroy hat lange mit einer Person zusammengearbeitet, die zuerst als manisch-depressiv diagnostiziert war und der dann eine schizoaffektive Störung diagnostiziert wurde.

Zusätzlich zu Symptomen einer affektiven Störung wie Depression oder Manie treten hier Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis wie Wahn oder Halluzinationen auf. [Wikipedia]

Fourcroy fand, dass der Fokus bei der Behandlung zu sehr auf dem „abnormalen“ Verhalten der Patientin lag, anstatt auf dem Schmerz, den sie empfand und wo die Ursachen lagen. Es ging nur darum, ihr Verhalten zu „normalisieren“
Das war der Ausgangspunkt zu überlegen, was wir als normal definieren.

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Portion Distortion

Und wieder ein spannendes Projekt, das sich damit auseinandersetzt, wie sich Esswerkzeuge und Geschirr auf Essgewohnheiten und die Art des Essens auswirken: Portion Distortion vom niederländischen/mexikanischen Designstudio José de la O, erarbeitet von Dafne Ríos, beruht auf verschiedenen psychologischen Studien zum Thema Essstörung.

Maze Cover
Ein transluzender Deckel mit einem „Labyrinth“ verlangsamen das Essen und verhindern das reinschaufeln. Da das Gehirn ca. 20 Minuten baucht, um festzustellen, dass man satt ist, wird oft mehr gegessen, als der Körper braucht.

Portion Proportion
Die gepunkteten Muster auf Tellern und Schüsseln geben eine Referenz zur Portionsgröße (eine Hand voll), die Farben beziehen sich auf Proteine, Rohkost, Kohlenhydrate und Zucker.

Forks of Excess
Forschungen haben ergeben, dass eine schwere Metallgabel das Essen qualitativ hochwertiger erscheinen lässt, als beispielsweise Palstikbesteck. Es scheint, als würde sich die Qualität des Bestecks auf das Essen übertragen. Auch die Größe des Bestecks spielt eine Rolle. So wurde in Restaurants beobachtet, dass mit kleinem, zierlichem Besteck mehr gegessen wurde, als mit großem. Unter Laborbedingungen, wo die Testpersonen für das Essen nicht zahlen mussten, war es genau andersherum.

Hier wird das Projekt etwas ausführlicher besprochen (englisch).

 

Blog-Entdeckung: Nachschlag

Heute habe ich das Blog Nachschlag – Esskultur in Wort und Bild von Johannes J. Arens entdeckt. Was für eine Entdeckung! Eine ganz fabelhafte Rubrik dort ist u. a. Kas|sen|zet|tel. Johannes sammelt Einkaufs- und Kassenzettel und macht sich darauf einen Reim.

Manche Einkaufszettel hebe ich zuhause auf, weil es mich rührt, dass jemand sich die Mühe gemacht hat, seinen Alltag mittels eines ordentlich verfassten Zettels zu strukturieren. Eine kleine Sammlung, aber es könnten mehr werden.

Seit Dezember 2015 hat er sich ein Projekt vorgenommen. Er kocht nun Gerichte aus gefundenen Einkaufszetteln.

Drei Lebensmittel müssen draufstehen, kein Convenience, sondern Dinge mit denen man etwas kochen kann.

Johannes kocht daraus wirklich ernsthafte Gerichte – nicht wie Tom Lakeman –  aber es gibt dazu auch immer eine wunderbare Geschichte. Über den Fundort, die näheren Umstände, die Leute vor Ort, und die Rezepte gibt es außerdem dazu.

Ist in meinen Feed gewandert und ich werden das weiter verfolgen.