Krankenhausessen

Ich war gut zwei Tage im Krankenhaus. Essenstechnisch habe ich nichts erwartet und dafür war es dann eigentlich auch gar nicht so schlecht.

Ich war da in der Holzklasse und konnte dennoch jeden Tag zwischen zwei oder drei Mittagessen auswählen. Bei der Aufnahme wird man schon gefragt, ob man irgendwelche Besonderheiten hat (vegetarisch, vegan)

Kleine Anekdote: Meine Zimmergenossin war Veganerin. Sie bekam am zweiten Tag ein normales Frühstück mit Wurst und Käse. Als sie sagte, dass sie eigentlich vegan bestellt hatte, sagte die Schwester, dass sie ihr noch Marmelade und Nutella (!) bringen könne. Dann fiel der Genossin wieder ein, dass sie ja eigentlich nur Flüssiges essen sollte. Nun war die Schwester ratlos, dann ginge ja nur Suppe. Ich schlug vor, man könne doch einen dünnen Grießbrei machen. Die Schwester: „Aber doch nicht mit Milch!“ Ich: „Da gibt es doch Ersatzprodukte.“ Sie schaute verweifelt und meinte: „Dann geht ja nur Wasser.“

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Processed Views – von Barbara Ciurej und Lindsay Lochman

Barbara Ciurej und Lindsay Lochman arbeiten kollaborativ an Fotoprojekten, bei denen sie sich mit dem Zusammenfluss aus Geschichte, Legenden und Popkultur beschäftigen, mit dem Ziel zu verstehen wer wir (sie, die Gesellschaft) sind.

Bei Processed Views erforschen sie die Grenzen der industriellen Nahrungsmittelproduktion, die verführerische Schnittstelle von Natur und Technologie. Je weiter man sich von den Quellen und Ursprüngen der Nahrung entfernt, desto weiter dringt man vor, in unerschlossenes und unerforschtes Gebiet, mit einer Fülle von unbekannten Nebenwirkungen und Konsequenzen für Natur und Gesundheit.

In ihren Landschaften aus verarbeiteten, industriellen Nahrungsmitteln interpretieren sie die Fotografien von Carleton Watkins (1829-1916), der ab 1861 als Fotograf tätig war. „Nach ersten Versuchen wurde die Landschaftsfotografie Watkins große Leidenschaft und blieb es bis an sein Lebensende. Zusammen mit dem Maler William Keith bereiste Watkins den wilden Westen und konnte – nach eigenem Bekunden – noch ein letztes Mal Amerikas Vergangenheit fotografieren. Seine Fots vom Yosemite-Tal überzeugten den Kongress, den Yosemite-Nationalpark zu gründen.“
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ikipedia

Watkins Fotos formten das Bild von einem Amerika der unbegrenzten Möglichkeiten. Seine Bilder sind gleichzeitig Dokumentation und Werbung für den amerikanischen Westen.

Blick in den Kühlschrank

Der Blick in den Kühlschrank anderer Leute kann spannend sein und interessante Einblicke in das Leben und Wesen der Person geben. Serien dazu gab es schon einige.

Der Taschenverlag hat nun ein Buch über die Kühlschränke von Spitzenköchen veröffentlicht: Inside Chef’s Fridges. Aber wird man da Überraschendes entdecken? Ich kenne das Buch nicht, vermute aber eher Einblicke in die Auslage von Delikatessengeschäften. Jürgen Dollase hat ähnliche Bedenken, ist aber, ebenso wie wie die Kochfreunde dann doch recht angetan von der Publikation.

Für Koch-Freaks sicher eine Inspiration.

 

 

Einkaufszettelkreationen von Tom Lakeman

Gefundenen Einkaufszettel werden von vielen gesammelt. Wigald Boning hat ein Buch damit veröffentlicht, Jutta Richter verwandelt sie in wunderbare Illustrationen.

Der Fotograf Tom Lakeman geht noch einen Schritt weiter und kreiert Gerichte aus den notierten In­gre­di­enzien  – egal ob Nahrungsmittel oder nicht.

Gemeinsam mit der Food-Stylistin Caterina Gobbi sind mal mehr, mal weniger appetitliche Kreationen entstanden.

 

Vintage Food – 60ies

Emily Marshall ist Foodstylistin bei der ABC Serie “The Astronaut Wives Club”, die ich nicht kenne, aber den Bildern nach zu urteilen ist die genauso fabelhaft akribisch ausgestattet wie Mad Men oder Masters of Sex. Offensichtlich spielt Essen eine große Rolle in der Serie und die Aufgabe von Emily Marshall ist es, diese zum Teil unglaublichen Gerichte aus den sechziger Jahren zu kreieren. Sie beschreibt es selber so urkomisch, dass es eine helle Freude ist. Zum beispiel die Crown Roast of Frankfurters, ein Gericht der Weight Watchers (!).

Because it’s just a bizarre Weight Watchers recipe from 1969. Don’t ask
me how cabbage salad and hot dogs is diet food, but that’s what Weight
Watchers thought it was.

Man macht sich ja keine Vorstellung davon, was es bedeutet, Foodstylistin an einem Filmset zu sein. Sich ein passendes Gerichte auszudenken, wenn im Skript steht “Marge bereitet einen Snack zu” und auch die unterschiedlichen Gerichte und Zubereitungsarten, den Charakteren zuzuordnen.

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geschmolzenes Eis

Die Fotos von angeschmolzenem Eis am Stil von Michael Massaia drehen Jonathan Jones vom Guardian den Magen um.

Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Mal abgesehen davon, dass ich in den Fotos rein gar nichts ekeliges finden kann – du liebe Güte, es ist geschmolzene Eiskreme! – kann ich auch Jones Ansatz, abgebildetes Essen sollte ansehnlich und appetitanregend aussehen, überhaupt nicht verstehen. Soll Kunst gefallen? Zum Konsum oder Genuss anregen? Seltsamer Standpunkt. Oder versteckt sich in dem Text eine ironische Note, die sich mir nicht erschließt?

Ich dachte beim Lesen sofort an die hochästhtischen Fotos von Klaus Pichler, der verrottete Lebensmittel fotografiert hat, als Mahnung an die enorme weltweite Verschwendung von Lebensmitteln. Das kann man ekelig finden, obschon die Fotos eine geradezu hypnotische Anziehungskraft haben. Faszination des Schrecklichen.

Blake Little übergießt mit Honig

Der Fotograf Blake Little übergießt Menschen mit Honig und macht davon ganz erstaunliche Fotos.

Die Idee dazu entstand zufällig als er bei einem Shooting einen Mann, der aussah wie ein Bär, Honig essen ließ – wie ein Bär. Eigentlich eine blöde, stereotype Idee, wie Little selber sagt. Aber als er dann später ein Foto von der Hand des Mannes betrachtet, die vor Honig troff, inspierierte ihn dies zu der Serie.
Inzwischen hat er viele, viele Menschen mit Honig übergossen. Alte, junge, dicke, dünne, große, kleine.
Die Serie heißt Preservation, denn die Menschen wirken wie in Bernstein eingeschlossen – konserviert.
Es ist faszinierend, wie der Honig Körperformen gleichermaßen glättet und verzerrt und gleichzeitig Unsterblichkeit und Tod suggeriert.

Ein Buch erscheint dieser Tage [ http://preservationbook.com/ ]

Artikel bei Ignant

Alice Waters – die absolute Zunge

“Es heißt, Alice Waters habe die absolute Zunge. Nie entfällt ihr ein einmal probierter Geschmack. Sie gilt als Revolutionärin der amerikanischen Küche. Für die Filmszene ist ihr Restaurant ein zweites Zuhause.”

Wir verleiben uns mit unserem Essen auch die Werte ein“  – Eine Begegnung mit Köchin Alice Waters auf der Berlinale (Tagesspiegel)

Alice Waters hat auf der diesjährigen Berlinale in der Sektion Kulinarisches Kino eine Kamera bekommen.