Brutal schön – auch beim Essen

Brutal schön – da kann das Thema Essen nicht aussen vor bleiben. Die Arbeiten von Ron From zeigen schon auf wunderbare Weise, wie man mit Nahrungsmitteln brutale Umstände subtil be- und verarbeiten kann.

Es gab noch zwei weitere Arbeiten zum Thema Ernährung und Design, bei denen es beide um Hühner geht.

Der niederländische Designer Dave Hakkens ist mit mehreren Arbeiten in der Ausstellung vertreten. Unter anderem hat er eine Videoplattform ins Leben gerufen, die den programmatischen Namen Story Hopper hat und auf der Geschichten und Ideen geteilt werden können, die die Welt ein bisschen besser machen. Eine Geschichte handelt vom Huhn Frieda. Frieda wurde aus einer Massentierhaltung gerettet und hat bei den Hakkens ein neues Zuhause gefunden. Frieda entwickelte sich zu einem propperen gesunden Huhn, mit viel Selbstbewusstsein, denn eines Tages verschwand sie und alle hoffen, dass sie ihre ultimative Freiheit gefunden hat.

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Portion Distortion

Und wieder ein spannendes Projekt, das sich damit auseinandersetzt, wie sich Esswerkzeuge und Geschirr auf Essgewohnheiten und die Art des Essens auswirken: Portion Distortion vom niederländischen/mexikanischen Designstudio José de la O, erarbeitet von Dafne Ríos, beruht auf verschiedenen psychologischen Studien zum Thema Essstörung.

Maze Cover
Ein transluzender Deckel mit einem „Labyrinth“ verlangsamen das Essen und verhindern das reinschaufeln. Da das Gehirn ca. 20 Minuten baucht, um festzustellen, dass man satt ist, wird oft mehr gegessen, als der Körper braucht.

Portion Proportion
Die gepunkteten Muster auf Tellern und Schüsseln geben eine Referenz zur Portionsgröße (eine Hand voll), die Farben beziehen sich auf Proteine, Rohkost, Kohlenhydrate und Zucker.

Forks of Excess
Forschungen haben ergeben, dass eine schwere Metallgabel das Essen qualitativ hochwertiger erscheinen lässt, als beispielsweise Palstikbesteck. Es scheint, als würde sich die Qualität des Bestecks auf das Essen übertragen. Auch die Größe des Bestecks spielt eine Rolle. So wurde in Restaurants beobachtet, dass mit kleinem, zierlichem Besteck mehr gegessen wurde, als mit großem. Unter Laborbedingungen, wo die Testpersonen für das Essen nicht zahlen mussten, war es genau andersherum.

Hier wird das Projekt etwas ausführlicher besprochen (englisch).

 

Bistro invitro

Das Bistro invitro ist ein spannendes Projekt, das sich mit der Vision von im Labor gezüchtetem Fleisch auseinandersetzt. Besonders daran ist, dass sowohl Köche, als auch Designer und Künstler daran beteiligt sind. Die Diskussion ist nicht wertend und beleuchtet alle Aspekte.

2014 wurde das invitro Cookbook mit futuristischen Rezepten publiziert. Es gab einen Wettbewerb, bei dem Kreative aus aller Welt aufgerufen waren, Rezepte und Produkte zu entwerfen. Das Buch wurde mit dem niederländischen Design Award ausgezeichnet.

Der erste In-vitro-Burger wurde von einem holländischen Forscherteam unter der Leitung von Mark Post zur Verfügung gestellt und am 5. August 2013 bei einer Pressedemonstration in London zubereitet und getestet. Auf Bistro invitro gibt es übrigens eine Anleitung, wie man sich das Fleisch für einen invitro Burger selber züchten kann.

Ein weiterer netter Gimmick: Man kann sich ein Menü zusammenstellen, und bekommt daraufhin eine kulinarische „Typberatung“ – ich bin offensichtlich ein „mindful bon vivant“. Man kann sich einen Platz im Bistro für das Jahr 2028 reservieren lassen und erhält damit eine Chance, ein invitro Kochbuch zu gewinnen.

Die vorgestellten Gerichte und Produkte reichen – zumindest der Abbildung nach – von „tja, warum eigentlich nicht“ bis zu „ach nein danke, mir ist schon schlecht“.

 

Food und Textildesign

Cecile Elisabeth Rudolph ist Textildesignerin.
Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Essen und Nahrungsmitteln und setzt sie in eine spannende Beziehung.
Textil, da denken die meisten sicher erst mal an Stoffe und Mode; Kleidung – unsere zweite Haut. Und im Zusammenhang mit Food, vielleicht an Tischdecken, Servietten Sets.

Cecile hat zwei verschiedene Ansätze:
Velbekomme’ – Guten Appetit auf Dänisch – beschäftigt sich u. a. mit der Verschwendung von Nahrungsmitteln, betont die Komplexität und Herausforderung mit Nahrungsmittelverschwendung auf der einen und die hohen Ansprüche an unsere Ernährung auf der anderen Seite.

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Vintage Food – 60ies

Emily Marshall ist Foodstylistin bei der ABC Serie “The Astronaut Wives Club”, die ich nicht kenne, aber den Bildern nach zu urteilen ist die genauso fabelhaft akribisch ausgestattet wie Mad Men oder Masters of Sex. Offensichtlich spielt Essen eine große Rolle in der Serie und die Aufgabe von Emily Marshall ist es, diese zum Teil unglaublichen Gerichte aus den sechziger Jahren zu kreieren. Sie beschreibt es selber so urkomisch, dass es eine helle Freude ist. Zum beispiel die Crown Roast of Frankfurters, ein Gericht der Weight Watchers (!).

Because it’s just a bizarre Weight Watchers recipe from 1969. Don’t ask
me how cabbage salad and hot dogs is diet food, but that’s what Weight
Watchers thought it was.

Man macht sich ja keine Vorstellung davon, was es bedeutet, Foodstylistin an einem Filmset zu sein. Sich ein passendes Gerichte auszudenken, wenn im Skript steht “Marge bereitet einen Snack zu” und auch die unterschiedlichen Gerichte und Zubereitungsarten, den Charakteren zuzuordnen.

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Haptik, Mundgefühl und Werkzeug

Welche enorme Rolle Form, Farbe, Textur und Haptik beim Essen spielen, konnte man neulich hier nachlesen.

Aber auch das Esswerkzeug, sprich Besteck, spielt dabei ein große Rolle, wie Martin Kullik in einem sehr erhellenden Interview in der taz erläutert. Martin Kullik hat zusammen mit Jouw Wijnsma das Projekt Steinbeisser, das sich mit Esskultur beschäftigt.

Steinbeissers experimentelle Gastronomie findet vom 2. bis 5. Juli erstmalig in Berlin statt. Dort wird es ein veganes 5-Gänge-Menü geben, dass mit sehr speziellen Essgeräten des estnischen Eisenschmieds Nils Hint eingenommen wird.

 

Arts & Foods. Rituals since 1851

Diese Ausstellung in Mailand im Rahmen der Expo scheint ein Knüller zu sein.

Kuratiert von Germano Celant, folgt die Ausstellung chronologisch ab 1851,  dem Jahr der ersten Weltausstellung in London, den Themen von Zubereitung, Verkauf und dem Teilen von Essen. in über 15 Räumen werden Orte an denen gegessen wir und die Präsentation von Speisen gezeigt. Anhand von Gemälden, Möbeln, Skulpturen, Fotografien, Menükarten, etc.

“Arts & Foods offers an exploration of the special bond between the visual arts and the topic of food
and of eating together in positive terms, both to reveal rituals and
specificity, and to emphasize any idiosyncrasies or problematic areas.“

“The project encompasses moments and themes of the rupture and progress
that the arts offer as a reading of the history and evolution of food
and nutrition. Set in a wide-ranging scenario it traces areas of
continuous crossover and contact between the visual arts and various segments of the industrial arts and mass culture.“

 

Nachtrag: Stelle gerade fest, dass die Ausstellung nicht besonders gut besprochen ist. Aber nojo … wenn man eh schon mal in Mailand wäre … und das eine oder andere Exponat würde ich schon gerne mal sehen.

Geschenk statt “Doggy Bag”

Neue Verpackung gegen die Verschwendung in Restaurants:

KISD-Studentin Anne Poggenpohl hat die Take-Away-Verpackung “C’était
Bien Bon” für kostbare Essensreste entworfen.

Schätzungen zufolge bleiben in Frankreich bei jedem Restaurantbesuch zwischen 210 und 230 Gramm Essen übrig, das sind mehr als 20 Kilogramm pro Jahr pro Franzose“, sagt Poggenpohl. Es sei geradezu verpönt, das nicht verzehrte Gericht mit nach Hause zu nehmen.

Der Bien Bon funktioniert einfach und intuitiv: Mit einer Handbewegung wird die Verpackung aufgestellt und die Essensreste können eingefüllt werden. Ein Aufkleber mit Platz für persönliche und individuelle Hinweise zum Aufwärmen oder erneuten Kochen verschließt die Verpackung. Zuhause faltet sich die rechteckige Box zu einem Oktaeder auf, so dass der Inhalt leicht auf Teller und Pfanne oder in einen Topf gleiten kann. Flachgefaltet ist die Restebox ungefähr so groß wie eine Din A4-Seite, nur einen Millimeter dick und lässt sich deshalb kostengünstig lagern und transportieren. Die Box gibt es in zwei Varianten: eine für Pizza und eine für sonstige Speisen.

 

Mehr zum Projekt bei th-koeln.de  ->