Rezepte des Überlebens – Eine Podcastempfehlung

Die Journalistin Iska Schreglmann hat im Nachlass ihrer Mutter ein Kochbuch von 1871 gefunden und begibt sich auf Spurensuche. Es geht um Hunger nach dem 2. Weltkrieg, wie sich auch Essgewohnheiten über Generationen durch Familien vermitteln und im dritten Teil kocht sie mit ihrem Sohn ein Rezept aus dem alten Kochbuch nach.

Ich finde hier drei Aspekte – die mich auch in anderen Bereichen beschäftigen – spannend:
Esskultur, nonverbale, über Generationen weitergegebene Traumata und Familienforschung.

Weiterlesen

Museum Brot und Kunst – don’t call me brotmuseum

Ich weiß nicht mehr, wann ich vom Museum für Brot und Kunst erfuhr, aber ich folge schon eine ganze Weile auf Instagram. Ulm ist von Köln nicht gerade um die Ecke, aber vor ein paar Wochen habe ich den Entschluss gefasst, dort endlich mal hinzufahren. Auslöser war die Sonderausstellung “mindestens haltbar bis” von Honey & Bunny (Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter). Die Arbeit der beiden verfolge ich auch schon einige Jahre – hier und hier – und ich wollte die nun endlich mal auch in der Real sehen und nutze das letzte Wochenende, an dem die Ausstellung zu sehen war.

(Keine Bilder aus der Ausstellung wegen der Unsichtbarkeitsmaschine aka VG Bild Kunst)

Weiterlesen

Eine deutsche Bio Bäckerei in Japan

Brot gehört nicht zur traditionellen japanischen Ernährung. Es kam in den 50er Jahren in Form von Toastbrot (via Weizenimporte der Amerikaner) ins Land und ist seither als „traditionelles“ Frühstück beliebt.

Über einen guten Bekannten, word©onsume, der selber eine Zeit in Japan lebte und dort u. a. Deutsch unterrichtete, wurde ich auf den Instagram-Account von Ai Kosaka aufmerksam, genau zu dem Zeitpunkt, als sie in Nomi, einer japanischen Kleinstadt in der Präfektur Ishikawa, eine Bäckerei baute. Das fand ich so faszinierend, dass ich ihr gleich folgte. Ich habe via Instagram die Bauarbeiten mitverfolgt und inzwischen ist es ein hübsches, kleines florierendes Unternehmen geworden.

Ai Kosaka hat das ganze Bauprojekt inklusive Grundstückskauf mit Bank-Darlehen finanziert und ihr Marketingkonzept durch Crowdfunding finanziert. Diese Kampagne lief wohl auch ausserordentlich erfolgreich.

Weiterlesen

Löffelbord im Freilichtmuseum Kommern

Der Löffel ist sicher das älteste Esswerkzeug, gestaltet nach dem Vorbild einer hohlen Hand.

Schon in der Steinzeit schnitzte man sich Esshilfen aus Holz oder Horn und der Holzlöffel war bis zur industriellen Revolution, als man Metalllöffel kostengünstig in großen Mengen herstellen konnte, der Standard. (Mir persönlich verursacht schon alleine die Vorstellung Gänsehaut, ich kann überhaupt kein Holz in den Mund nehmen, auch nichts von einem hölzernen Kochlöffel ablecken. Brrrr.) Also war der Löffel bis dahin ein relativ wertvoller Besitz.

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Löffeln in unterschiedlichsten Formen und aus vielerlei Materialien. Auch für die verschiedensten Speisen und Getränke gibt es jeweils passende Löffel: Kaffee, Tee, Eier, Suppe, Eis, Dessert, etc. Ich habe mal meine Löffel gezählt, ich besitze sage und schreibe gut 110 Stück.

Weiterlesen

Wibkes Blogstöckchen #DieWeltaufdemTeller:

Geschichten vom Essen und Kochen

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Diogenes Verlag, bei der sich Wibke des Buchs „Die Welt auf dem Teller“ von Doris Dörrie annimmt, hat sie ein Blogstöckchen in die Runde geworfen. Sie stellt fünf Fragen, die jeder beantworten kann.

1. Glück, Heimat, Trost, Abenteuer oder „Igittigitt“: Wonach schmeckte Deine Kindheit?

(Das hat mich Wibke 2014 doch tatsächlich schon mal gefragt. 😀 – und ich kann dem nichts hinzufügen.)

Zum Kindergeburtstag selbstgemachtes Eis aus der Tüte und Buttercremetorte, Gulasch mit Rotkohl und Klößen, Streuselkuchen, Brötchen mit Butter und Salz, in Milchkaffee geditscht bei Oma. Das Hühnerfrikassee von meiner Mutter.

Weiterlesen

Süßkram – eine Kulturgeschichte der süßen Speisen

Schokolade, Bonbons, Lutscher, Pudding, Torten – man kann es sich kaum vorstellen, dass Süßigkeiten nicht immer schon permanent zur Verfügung standen. Als ich von der Ausstellung hörte stutzte ich auch kurz: Moment, kein Zucker, wie süßt man denn da?

Eine Ausstellung im Clemens-Sels Museum Neuss zeigt vom 28.7.-13.10.2019 die Geschichte gesüßter Speisen von den Römern bis zur Gegenwart, vom Luxusartikel zur Massenware.

Römischer Doppelhenkeltopf, vermutlich wurde in ihm Honig aufbewahrt

Bevor der Zucker in unsere Gefilde kam, hatte man nämlich nur die Möglichkeit mit Obst und Honig zu süßen. Honig hat man schon in der Steinzeit gesammelt, und in der Jungsteinzeit hat man schon Bienenvölker kultiviert.
Bevor die Römer ins Rheinland kamen gab es hier nur Wildobst, also wilde Beeren, Brombeeren, Himbeeren oder Holzäpfel, die ungekocht nicht genießbar waren.
Die Römer haben vor ca. 2000 Jahren den Obstanbau ins Rheinland gebracht, Früchte, wie Pflaumen, Trauben, Äpfel, Kirschen. Obst wurde zu Gelees eingekocht, die man zum Süßen verwendete. Das waren die Möglichkeiten zum süßen!

Weiterlesen

Menükarten beflügeln die Phantasie

Buchcover "Wohl bekam's"

Wann habt Ihr das letzte mal eine Menükarte in den Händen gehalten? Bei mir war es wahrscheinlich vor über 20 Jahren, beim runden Geburtstag der Mutter einer Freundin. Ganz sicher aber Mitte der 70er Jahre, als einer meiner Onkel heiratete. Die Hochzeit fand in einem Schloss in oder in der Nähe von Bad Ems statt und ich erinnere mich noch daran, dass es Schildkrötensuppe gab. Das ginge ja heutzutage gar nicht mehr, aber als Kind fand ich das hochinteressant und ich meine mich zu erinnern, dass sie wie eine sehr kräftige Bouillon schmeckte.

Also, ich bewege mich nicht in den Kreisen, in denen Menükarten oft stattfinden.

Tobias Roth und Moritz Rauchhaus haben im kleinen feinen Verlag DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS das wunderbare Buch “Wohl bekam’s – in hundert Menus durch die Weltgeschichte” herausgebracht.

Weiterlesen

Eat Design von Honey & Bunny

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

eat design, Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb

Der Löffel war einst ein wertvoller Besitz, den man nach dem Tod vererbte. Man gab also den Löffel ab.

Die Gabel stammt ursprünglich aus dem Orient, wo man sie benutzte, um klebriges Konfekt zu verspeisen. Im 11. Jahrhundert gelangte sie über Byzanz nach Europa und wurde zunächst von wenigen italienischen Adeligen benutzt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie am französischen Hof als offizielles Tischgerät eingeführt. Die Kirche verdammte das Essgerät als Teufelsspieß  und klassifizierte seine Verwendung als Sünde. Selbst Martin Luther warnte vor der Gabel.

Das Messer ist eine Waffe, Arbeitsgerät, Ausdruckmittel für Hierarchie und Statussymbol. Individuelles Essgerät ist es erst seit ca. 500 Jahren und das auch nur in der westlichen Welt. Ursprünglich war es nur den Königen und Fürsten vorbehalten bei Tisch das Fleisch mit dem Messer zu zerteilen. In konservativen Haushalten tranchiert auch heute noch der Mann, was die Frau zubereitet hat.

Das sind drei kleine Beispiel aus dem umfassenden und grandiosen Buch “eat design” von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter und aka Honey & Bunny. Die beiden gelernten Architekten führen seit 2003 ein interdisziplinäres Designstudio und beschäftigen sich hauptsächlich mit Food und Eat Design.

Weiterlesen

Workshop: Essen und Performance

Die Bundesakademie für Kulturelle Bildung veranstaltete im April ein Kulturcamp (nein, es war kein Barcamp) unter dem Motto „Ausgekocht“. Es ging um Essen und Kunst. Fünf Workshops waren geplant, die sich in unterschiedlichen Disziplinen mit dem Thema Essen beschäftigen wollten. Ich war sehr glücklich, am Workshop „Essen und Performance“ teilzunehmen, vereinen sich hier zwei meiner Leidenschaften. Mehr Deckel auf Topf geht nicht.

Den Workshop leitete Malte Pfeiffer, Mitglied des Performancekollektivs Fräuleinwunder AG, die ganz großartige Arbeiten machen. Sie „integrieren Arbeitsweisen ethnographischer Feldforschung in ihre kulturwissenschaftliche und ästhetische Praxis, sammeln im Selbstexperiment Wissen, Aktions- und Bildmaterial aus sozialen Feldern für den Probenprozess und setzen diese dann in ein Spannungsgefüge zu Motiven der Populären Kultur.“ Zum Thema Essen haben sie 2013 „Ein Bankett für Tiere“ inszeniert.

Wie es sich gehört begann der Workshop am Sonntagnachmittag mit ordentlichem Auffwärmen und einer kurze Vorstellungsrunde, mit jeweils drei Aussagen über sich, wovon eine nicht wahr sein sollte. Ich fand es wahnsinnig schwierig mir ad hoc etwas über mich auszudenken, was nicht stimmt und habe mich in meinen Satzbauten so verheddert, dass mit hinterher auffiel, dass alles wahr war.

Weiterlesen

Kulturgeschichte erzählt mit einem Kochbuch

Bayerisches Kochbuch - Biografie eines KochbuchsIch habe an der Produktion des Buchs mitgecrowdfunded und bin superhappy, jetzt mein gedrucktes Exemplar in Händen zu halten. Ich habe gerade erst mal nur reingespinkst und ein bisschen geblättert, mich noch nicht vertieft, aber ich finde das Thema so sensationell.

Was kann die Gliederung eines Kochbuchs schon erzählen?
Vieles: Sie verrät Probleme der Anfangsjahre, berichtet von Hunger und Sattheit, von gesellschaftlichen Regeln und Alltagskultur. Über all das gibt die Semantik des Werkes Auskunft. Darum lohnt sich die Frage, wie die Rezepte angeordnet sind.

Weiterlesen