Bei den diesjährigen Passagen gab es in der Pattenhalle wieder eine Ecke mit niederländischen Designer*innen, die sich alle mit Dingen rund ums Essen beschäftigen.
House of Thol hatte ich letztes Jahr schon entdeckt und über einige Produkte geschrieben.
Diese Jahr hatten sie noch zusätzlich ein Quartettspiel dabei, das sich mit der lagerung von Obst und Gemüse beschäftigt und viele Informationen zu Anbau, Wasserverbrauch, etc. bereithält.
Suzan Hijink produziert Gemüseobjekte aus Keramik und erschafft Kombinationen aus Pflanzen und Tieren: Gemüse mit Geweihen, Salatblätter wie Schmetterlinge. Ihr Vater ist Jäger und so kam sie wohl schon früh mit diesem Geweihschädeln in Berührung. Die Salat-/Löwenkopf Skulptur erinnert an das Geschirr und die Terrinen aus dem Barock. Mir gefällt, wie sie aus biografischen und historischen Gegebenheiten etwas Neues kreiert. Die Keramiken entstehen als Kleinserien oder auf Anfrage und sind handbemalt.
Die Salatbestecke und Vorlegelöffel aus Glas von Saudade Collective hatte ich auch schon im letzten Jahr gesehen, mir aber diesmal genauer angeschaut. Ich weiß nicht, wie das in meinen Kopf kam, aber im ersten Moment dachte ich, die seien aus Zucker. Wäre das nicht eine clevere Idee? So käme die Süße direkt beim Umrühren in die Speisen und irgendwann wären die Löffel aufgebraucht. OK, die Süße wäre vermutlich schlecht zu steuern. Also aus Glas. Mir gefallen die Farben und experimentellen Formen, allerdings würde mich das Geschepper und Geklirre nerven – wenn man nur Salatschüsseln aus Glas oder Keramik hat, wie ich.
Schmuck als Esswerkzeuge oder andersrum
Lilli Malou gestaltete Esswerkzeuge aus Silber, die sich durch Materialität und handwerkliche Fertigung auf frühere Zeiten beziehen. Durch ihre Schmuckhaftigkeit verändern sie die Beziehung zur Speise und des Verspeisens.
Ich habe ein Gespräch mitbekommen, in dem sie erzählte, dass sie im Zusammenhang mit diesem Projekt ein Essen veranstaltet hat, bei dem sie Speisen mit unterschiedlichen Konsistenzen zubereitet hat und die Gäste mussten sich ihr Esswerkzeug aus ganz einfachen Dingen selber herstellen. Spannend, da wäre ich gerne dabei gewesen.

Die Keramikschalen mit Glasuren aus Schwermetallschadstoffen gehören zu dem komplexen Projekt Metallophytes: Echoes of Extraction 2024, das sich mit Schwermetallbelastung in deutschen Böden beschäftigt.
“Das Projekt verwendet Glasuren aus Pflanzenasche, die aus Schadstoffen hergestellt werden, die von Metallophyten absorbiert wurden – Pflanzen, die in giftigen, metallreichen Umgebungen gedeihen. Diese Pflanzen dienen als Indikatoren für Kontamination, und ihre Fähigkeit, in verschmutzten Böden zu überleben.”
“Die im Rahmen dieses Projekts entstandenen Keramiken dienen als poetische Archive, die Umweltdaten in greifbare Objekte verwandeln, welche das bleibende Erbe der industriellen Verschmutzung hervorheben. Durch die Verwendung von Glasuren aus Schwermetallschadstoffen soll das Werk das Bewusstsein für die oft übersehene Bodenverschmutzung und die entscheidende Rolle von Metallophyten bei der Umwandlung toxischer Umgebungen in nachhaltige Ökosysteme schärfen.
[Übersetzt und zitiert von der Website]
Den ersten Teil zu den Passagen hatte ich hier verbloggt.










