Chefs Table

Schwärmerei für Chef’s Table

Die Netflix Serie “Chefs Table” habe ich erst relativ spät entdeckt. Sie startete 2015 und inzwischen erschien die 4. Staffel.

Ich stecke noch mitten in der zweiten, möchte hier aber schon mal ein bisschen schwärmen:

In jeder der ca. 50 minütigen Folge wird ein Spitzenkoch portraitiert. Das Prinzip ist immer gleich: Der Koch erzählt aus seinem Leben und von seiner Arbeit, die Bilder sind wunderschön, jedem Koch wird ein Gastrokritiker an die Seite gestellt – diesen Bestandteil hätte man sich wirklich sparen können, denn jeder der Kritiker verwendet exakt das gleiche Vokabular für “seinen” Koch: der Beste, einzigartig, genial, kreativ, originell”. Das ist so langweilig. Egal.

Es geht natürlich ums kochen, aber was der Produzent David Gelb ganz famos schafft, ist Geschichten zu erzählen, tatsächlich den Menschen mit seiner Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Ich bin gar kein Fan von dieser Hochglanz Chi-chi Küche, in der Kresseblättchen mit Pinzetten dekoriert werden, aber wenn man diesen Menschen zuhört, wie sie mit Leidenschaft von dem erzählen, was sie tun und warum sie es tun und wie sie dazu kamen es zu tun, geht einem das Herz auf.

Man versteht, dass diese Spitzenköche Kreativarbeiter sind, erhält Einblicke in die kreativen Prozesse und wenn man die Konzeption und Ideen hinter den Gerichten versteht, ist das sehr bereichernd.

Viele Geschichten handeln auch vom Scheitern. Einige der Köche haben schon mal ein Restaurant in den Sand gesetzt und standen kurz vor dem Ruin. Es ist faszinierend, wie persönlich diese Menschen erzählen und das spricht für das produktionsteam. Storytelling at its best!

In der ersten Folge wird der unglaublich sympathische Massimo Bottura portraitiert, der so bodenständig und zurückhaltend wirkt, dass zu ihm dieser laute “Macho”-Beruf gar nicht passen mag, der sein Team als seine Familie ansieht und der gegen alle Widerstände die italienische Küche neu interpretiert.

Hier ein kurzes Video des Lufthansa magazin, das einen ganz guten Eindruck gibt.

 

Dan Barber, ist in der Küche wohl ein echter Klischee-Koch-Mistkerl, baute aber mit Leidenschaft die alte Farm seiner Großmutter in Massachusetts wieder auf und setzt sich mit Herzblut für nachhaltige Landwirtschaft und das Züchten aromatischer und geschmackvoller Sorten ein.

“Wir brauchten Tiere und dachten über Milchproduktion nach … wer gute Milch haben will, braucht gute Weiden. Dafür brauchten wir Hühner, denn Hühner verteilen den natürlichen Dünger der Kühe auf der Weide. Plötzliche waren wir Hühnerzüchter und produzierten Eier. Die Weiden wurden von dem umliegenden Wald durch Gestrüpp überwuchert. Also brauchten wir Ziegen, die die Sträucher fressen, die Kühe nicht anrühren.”

Und dann kamen noch Schweine hinzu, die in dem Wald leben und mit diesen symbiotischen Beziehungen gab es plötzlich einen funktionierenden “Bauernhof” und das Restaurant ist fast ein Selbstversorgerbetrieb.

 

 

Eine fabelhafte Folgen ist die über Francis Mallmann, dem Argentinier – nicht nur wegen der grandiosen Landschaftsaufnahmen aus Patagonien – der im großen Stil Fleisch ins Feuer wirft und Gemüse in der Erde vergräbt.

 

 

Faszinierend auch Magnus Nilsson, der in Fäviken, einer Häusergruppe von etwa sechs Gebäuden, in der schwedischen Provinz sein Restaurant eröffnete, das zu den 50 besten der Welt gehört.

 

Einer meiner Lieblinge ist der Brasilianer Alex Atala, ein ganz besonderer Typ, mit einer speziellen Biografie.

Hier beschreibt er einen besonderen Moment, den Sinn des Lebens.

Im Jahr 2012 gründet er sein Institut ATÁ, mit dem lokale Kleinunternehmen gefördert und u. a. die Nahrungsmittel des Amazonas dokumentiert und dessen kulinarisches Erbe bewahrt werden soll.

 

Die Darsteller sind, wie in der Branche üblich, überwiegend Männer. Die Folge mit Niki Nakayama hat mich seltsam unberührt gelassen, aber die sehr emotionale Folge mit Dominique Crenn, die ihren Vater verehrt, die auf ihrer Reise von San Francisco nach Frankreich begleitet wird, wie sie sich dort auf Spurensuche begibt – das ist herzergreifend. Ich mag auch sehr ihren TED-Talk.

 

Meine nächste zu guckende Folge hat wieder eine Köchin als Protagonistin: Ana Ros aus Slowenien. Ich bin gespannt.

 

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