Fantastisch: Atomteller

“Wandteller stehen für Heimat, Idylle, Nostalgie, für Windmühlen in Delfter Blau. Was Windmühlen früher waren, sind Atomkraftwerke heute: Energiebauwerke. Ihre ikonenhaften Silhouetten prägen die Landschaft und damit unser Heimatbild. Als Kathedralen einer technologischen Weltanschauung versprachen sie Unabhängigkeit und unendliches Wachstum. Sie sind Zeugnis ihrer Epoche, Relikte des Fortschritts und Zeichen einer Zeitenwende. Die Tage der Windmühlen sind längst vergangen und nun neigt sich die Dämmerung über die Ära der deutschen Atomkraft. Höchste Zeit also, Atomkraftwerke als das zu zeigen, was sie sind:
Denkmäler des Irrtums – Hoffnung von Gestern – Folklore von Morgen”

www.atomteller.de ->

Food Museen in London und New York eröffnen fast zeitgleich

Fast zeitgleich eröffnen die beiden weltweit ersten Food Museen: das Museum Of Food And Drink –MOFAD in New York und fünf Tage vorher, am 23. Oktober das British Museum of Food – BMOF.

Why isn’t there a museum devoted to food at the same level of something that’s like the Natural History Museum or the Smithsonian? If I want to learn about you, I’m going to go to your house and we’ll break bread. We’ll have dinner. Then I feel like I’ll know who you are. And it’s that idea that we can experience cultures through what we eat and how we eat and the history of how we eat. That (idea) needs a museum because you can’t eat on TV. You can’t read about food and have tasted it.
Dave Arnold on CNN’s The Next List, 2012

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Blick in den Kühlschrank

Der Blick in den Kühlschrank anderer Leute kann spannend sein und interessante Einblicke in das Leben und Wesen der Person geben. Serien dazu gab es schon einige.

Der Taschenverlag hat nun ein Buch über die Kühlschränke von Spitzenköchen veröffentlicht: Inside Chef’s Fridges. Aber wird man da Überraschendes entdecken? Ich kenne das Buch nicht, vermute aber eher Einblicke in die Auslage von Delikatessengeschäften. Jürgen Dollase hat ähnliche Bedenken, ist aber, ebenso wie wie die Kochfreunde dann doch recht angetan von der Publikation.

Für Koch-Freaks sicher eine Inspiration.

 

 

Einkaufszettelkreationen von Tom Lakeman

Gefundenen Einkaufszettel werden von vielen gesammelt. Wigald Boning hat ein Buch damit veröffentlicht, Jutta Richter verwandelt sie in wunderbare Illustrationen.

Der Fotograf Tom Lakeman geht noch einen Schritt weiter und kreiert Gerichte aus den notierten In­gre­di­enzien  – egal ob Nahrungsmittel oder nicht.

Gemeinsam mit der Food-Stylistin Caterina Gobbi sind mal mehr, mal weniger appetitliche Kreationen entstanden.

 

Matija Erceg mixt Alltagsgegenstände mit Nahrungsmitteln

Der kanadische Künstler Matija Erceg mixt Alltagsgegenstände mit Nahrungsmitteln. Es sind wunderbare Mashups – Designhacks, die, wenn ich es recht verstehe und sehe, Photoshopprodukte sind. In einem Interview mit BeautifulDecay sagte er, er wünsche sich, in Kollaboration mit einem Fooddesigner/Stylisten, seine Kreationen real herstellen zu können. Also meldet Euch bei ihm, wenn ihr so was könnt.

Die belgische Grafikerin Phui Sin arbeitet ähnlich wie Matija Erceg. Alltagsgegenstände werden mit Nahrungsmitteln kombiniert, bzw. aus ihnen hergestellt. Diese Objekte werden mit minimalistischen Grafiken kombiniert.

 

Eier und Tee

Der Ober brachte die Eier und den Tee und zog sich lautlos zurück. (…)

Die Eier schmecken alt, das tun sie immer, und es wundert mich nicht sehr, seit ich weiß, dass sie nicht von munter scharrenden Hennen, sondern von unseligen, eingesperrten Kreaturen stammen. Diese Eier sind ihre Rache. Ich stehe natürlich ganz auf seiten dieser Roboter. Noch viel ärger müssten die Eier schmecken, um unser schändliches Tun zu strafen. Ich spüle sie mit Tee hinunter, der zwar nicht nach Tee schmeckt, aber wenigstens den Eigeschmack vergessen ließ. Dann wischte ich mir den Mund ab und sah in den Taschenspiegel. (…)

Alles was es in diesem Café zu essen gibt, habe ich schon durchprobiert, genießbar ist nur der Kaffee, er ist sogar vorzüglich. Der Schinken schmeckt nach stark gesalzenem Papier, der gebratene Specke ist ranzig, und Wurst  kommt überhaupt nicht in Betracht. Dann kann man noch Russisches Ei bestellen, aber das tut keiner ein zweites Mal, genießbar daran ist nur das Salatblatt, das eben nach Gras schmeckt. In anderen Cafés ist es nicht besser, nur teurer, und hier sitzt man wenigstens angenehm und ungestört. Hubert behauptet immer, ich sei heikel, aber das stimmt nicht, ich erinnere mich unglückseligerweise nur daran, wie Speisen eigentlich schmecken sollten.

 

Marlen Haushofer: Die Mansarde
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main, 1986

EAT YOU // performance von Honey & Bunny

Performance von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter aka Honey & Bunny in Kooperation mit Linda Zlok bei “Thinking Food Design” im Rahmen der Paris Design Week 2015.
Unter dem Video steht ein lesenswerter erläuternder Text zum Hintergrund der Performance.

 

 

In Säure getränktes Löschpapier

Alles, was wir essen ist ungenießbar geworden. Hühner, Schweine und Kälber schmecken nach aufgequollenen Waschlappen. Wenn ich Kalbsgulasch koche, sagt Hubert: „Pfui Teufel, was riecht denn da so nach Leichen?“ In letzter Zeit koche ich deshalb nur noch Rindsgulasch, vielleicht weigern sich die Kühe hartnäckig, etwas anderes zu fressen als Gras und Heu. Wahrscheinlich ist es ganz gut, daß Hubert raucht, dann merkt er nicht so genau, wie grauslich alles schmeckt. Es entgeht ihm, daß das Schlagobers stinkt und daß der Karpfen nach Petroleum riecht.

Alles wird immer teurer, schmeckt immer schlechter und ist dafür bombastisch verpackt.


(…)
Das Unheimliche an diesem Zustand ist, daß jeder es weiß und kaum einer darüber redet. Wir schlucken geduldig hinunter, was man uns vorsetzt. Ochsen sind wir, die einen Ring durch die Nase tragen und brav auf vorgeschriebenen Pfaden dahintraben. Am Samstag hatte ich eingelegte Maiskolben und Artischocken gekauft. Sie waren sündteuer, und beides schmeckte wie Essiggurken. Für diese Dinge scheint kein Mensch zuständig zu sein. Es gibt keinen, den man dafür anklagen könnte. Denn vom Minister bis zum Hausmeister essen wir alle geduldig in Säure getränktes Löschpapier.

 

Marlen Haushofer: Die Mansarde
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main, 1986

Ausstellung ‚Discomfort Food‘

Im September/Oktober 2017 konnte man in der McIninch Art Gallery in New Hampshire die Ausstellung mit dem trefflichen Titel sehen.
Nahrungsmittelallergien, Nachhaltigkeit, Bio, Fast Food, vegetarisch, vegan, man kämpft mit politischen, ökologischen und ethischen Argumenten, wenn es ums Essen geht. Auf der anderen Seite will man es doch nur genießen.

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